Markenlexikon

Google

USA

Die Bezeichnung Internet klingt zwar modern, doch die Ursprünge dieses weltweiten Computer-Netzwerks gehen bis in die frühen 1960er Jahre zurück. Damals beauftragte das US-Verteidigungsministerium die kalifornische »Denkfabrik« Research and Development Corporation (RAND), eine 1945 von dem Flugzeughersteller Douglas Aircraft (später McDonnell-Douglas) und der U.S. Army gegründete Non-Profit-Organisation, die die Abwanderung amerikanischer Wissenschaftler in die Privatwirtschaft verhindern sollte, mit der Entwicklung eines dezentralen Computer-Netzwerks, das im Falle eines gegnerischen Atomschlags die Kommunikation zwischen Städten, Bundesstaaten und militärischen Einrichtungen aufrecht erhalten sollte. 1969 war es soweit: Unter Leitung der Advanced Research Projects Agency (ARPA) wurden die ersten vier Computeranlagen an den staatlichen Universitäten von Kalifornien und Utah sowie der privaten Stanford University in Palo Alto/California zusammengeschaltet. Glücklichweise fand der gefürchtete Atomkrieg nie statt und das ARPANET, dem sich im Laufe der 1970er und 1980er Jahre ständig weitere Forschungseinrichtungen, Organisationen, staatliche Behörden und andere lokale Netzwerke anschlossen, diente vor allem Wissenschaftlern zum Austausch von Forschungsergebnissen. Aufgrund der dezentralen und anarchistischen Struktur des Netzes war es auch für Außenstehende nicht sonderlich schwierig, sich unkontrolliert selbst in das Netz zu integrieren. Der militärische Bereich wurde daher 1983 vom Netz abgetrennt.

Der Aufstieg des Internets (der Begriff tauchte erstmals 1983 auf) zu einer weltweiten Kommunikationsplattform begann in den frühen 1990er Jahren, als sich auch kommerzielle Unternehmen und Privatpersonen ganz offiziell Zugang zum Netz verschaffen konnten und neue Entwicklungen wie das Hypertext Transfer Protokoll (http), die Seitenbeschreibungssprache HTML (HyperText Markup Language), das World-Wide-Web (www) und Webbrowser die Benutzerfreundlichkeit enorm erhöhten. Mit Hilfe dieser neuen Technologien konnten Internet-Seiten grafisch dargestellt und geographisch entfernte Dokumente über Links geöffnet werden.

Die gewaltigen Datenmengen, die bald im Internet zur Verfügung standen, machten jedoch leistungsfähige Spezialsoftware zur Verwaltung von Internet-Seiten und Suchmaschinen notwendig. Die ersten Suchmaschinen wie W3Catalog (1993), Aliweb (1993), JumpStation (1993), Infoseek (1994), AltaVista (1994), WebCrawler (1994), Lycos (1994), Inktomi/HotBot (1996) oder Ask Jeeves (1997) lieferten zwar unglaublich große Mengen an Suchergebnissen, die jedoch häufig vollkommen unbrauchbar waren. Manche Suchmaschinen fanden sich in ihrer Suche nicht einmal selbst.

1995 lernten sich die Informatik-Studenten Lawrence (Larry) Edward Page (* 1973) und Sergey Michailowitsch Brin (* 1973) an der Stanford-University kennen. Beide stammten aus Akademikerfamilien und hatten schon früh Zugang zu Computern gehabt. Page, der in der Nähe zur Autostadt Detroit aufgewachsen war, interessierte sich damals besonders für intelligente Verkehrssysteme, Brin, der in Moskau geboren worden war, dann aber mit seinen Eltern in die USA ausgewanderte, beschäftigte sich mit der Gewinnung von Daten aus großen Datenmengen (Data-Mining); auch seine Mutter war Informatikerin und Datenbankexpertin. Data-Mining-Techniken ließen sich hervorragend auf das chaotische Internet anwenden.

Gemeinsam entwickelten sie schließlich eine neuartige Suchtechnologie (PageRank), die das World-Wide-Web nicht nur nach Stichwörtern durchsucht, sondern auch die Querverweise anderer Websites miteinbezieht. PageRank wertet dabei einen Link von Seite A nach Seite B als Votum für Seite B. Der Name PageRank bezog sich zum einen auf das Wort »Page« (engl. Seite), zum anderen auf den Familiennamen von Larry Page, der auf die Idee gekommen war, die Links in die Bewertung miteinzubeziehen. Die Suchmaschine selbst hieß zunächst BackRub und war von Page, Brin und Rajeev Motwani, einem Stanford-Professor, der Sergey Brin während seiner Studienzeit betreute, entwickelt worden.

BackRub wurde 1997 für den internen Gebrauch in Stanford in Betrieb genommen. Page's Büropartner Sean Anderson kam während eines Brainstormings auf den Namen Googleplex; Page verkürzte ihn dann zu Google. Das Wort Googleplex (eigtl. Googolplex = die Zahl 10 hoch 10 hoch 100) bezog sich auf den Begriff Googol, den Milton Sirotta (1911 – 1981), der Neffe des amerikanischen Mathematikers Edward Kasner (1878 – 1955), 1938 für die Zahl 10 hoch 100 geprägt hatte. Dieser Begriff sollte das Ziel der Firma zum Ausdruck bringen, die enorme Informationsmenge, die im World-Wide-Web verfügbar ist, zu organisieren. Page registrierte die Domain Google.com noch am selben Abend. Am nächsten Tag stellte sich heraus, dass Google falsch geschrieben war. Allerdings wäre Googol auch nicht mehr zu haben gewesen. Da kein Geld für einen Designer da war, gestaltete der in diesem Bereich talentfreie Brin die Seite mit Hilfe der freien Grafiksoftware Gimp selbst. Das Ergebnis war ein Google-Schriftzug, der aus bunten Buchstaben bestand und ein sehr einfaches und klares Design, dass sich allerdings wohltuend von den überladenen Webportalen abhob.

Auf dem Campus sprach sich die Existenz der neuen Suchmaschine google.stanford.edu schnell unter den Studeneten und dem Lehrpersonal herum. Da Page und Brin geplant hatten, ihr Studium zu beenden, wollten sie die PageRank-Technologie mit Hilfe der Standford-Patentabteilung an kommerzielle Unternehmen lizensieren. Doch Digital Equipment (AltaVista), Excite und Yahoo lehnten das Angebot aus unterschiedlichen Gründen ab. Letztlich waren Page und Brin gezwungen sich externe Geldgeber zu suchen und ein eigenes Unternehmen zu gründen.

Im September 1998 ging die neue Suchmaschine unter dem Namen Google an den Start; gleichzeitig wurde in einer Garage in Menlo Park/California die Firma Google Inc. gegründet. Das Startkapital von 100.000 Dollar kam von Sun-Microsystems-Gründer Andy Bechtolsheim. Erster Angestellter wurde Craig Silverstein, ein Freund der Gründer und ebenfalls Stanford-Absolvent. Bereits im März 1999 verlegte Google seinen Firmensitz aus Platzgründen nach Palo Alto, nicht weit von der Stanford Universität entfernt. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Unternehmen acht Angestellte. Das Anfangskapital war jedoch bald ausgegeben, vor allem für immer neue Computer, die die stetig steigende Zahl der Suchanfragen bearbeiten mussten. Mitte 1999 bekam Google von den Risikokapitalfirmen Kleiner Perkins Caufield & Byers and Sequoia Capital 25 Millionen Dollar Kapital. Geld verdiente das Unternehmen anfangs durch die Lizensierung der PageRank-Suchtechnologie an andere Firmen (u.a. an Red Hat und Netscape Communications) und Werbung (kontextbezogene Textlinks).

Zunächst wurden täglich rund 500.000 Suchanfragen verzeichnet, nachdem Google jedoch mit AOL (AOL, CompuServe, Netscape) und Yahoo kooperierte, versechsfachten sich die Anfragen. Schon Mitte 2000 stieg Google mit mehr als einer Milliarde Seiten im Index zum Markführer bei den Suchmaschinen auf. Grund für den schnellen Erfolg war vor allem die Tatsache, dass viele etablierte Suchmaschinen ihre Seiten damals zu umfangreichen Webportalen ausbauten, allerdings auf Kosten der Geschwindigkeit. Die sehr spartanisch aufgebaute Google-Seite lieferte dagegen recht schnell brauchbare Suchergebnisse. Zur gleichen Zeit entstanden auch zahlreiche Sprachversionen von Google (u.a. Dänisch, Deutsch, Chinesisch, Finnisch, Französisch, Italienisch, Japanisch, Koreanisch, Niederländisch, Norwegisch, Portugiesisch, Schwedisch, Spanisch). 2004 fand das Verb »googeln« Aufnahme in den Duden, was dem Unternehmen Google gar nicht gefiel, schließliche befürchtete man eine Gattungsbegriffbildung wie etwa bei Tempo-Taschentüchern. Nachdem Google 2006 Zeitungs- und Wörterbuchredaktionen darum gebten hatte, das Wort »googeln« nicht allgemein für die Suche im Internet zu verwenden, erklärte der Duden das Stichwort in späteren Auflagen etwas präziser (»mit Google im Internet suchen«).

Google ist die momentan meistgenutzte Internet-Suchmaschine der Welt; sie erreicht viele Milliarden Websites und liefert in rund einer halben Sekunde Suchergebnisse an Nutzer in der ganzen Welt. Möglich wird diese Geschwindigkeit durch eine große Anzahl verfügbarer Rechner (Google betreibt weltweit zahlreiche Rechenzentren) sowie das Google File System, bei dem alle Daten mehrfach auf verschiedenen Rechnern gespeichert sind. Selbst beim Ausfall einzelner Hardwarekomponenten, kompletter Rechner oder ganzer Rechenzentren, läuft das Gesamtsystem ohne Probleme weiter.

Neben der Textdokumentsuche im Web bietet Google inzwischen zahlreiche weitere Dienste an, u.a. Bild- und Videosuche, Google Maps (Online-Atlas mit Routenplaner), Google Earth (inkl. Google Ocean, Google Sky, Google Moon, Google Mars, Street View), Google Groups (Usenet-Archiv), Google News (Nachrichten), Google Produktsuche, Gmail/Google Mail (E-Mail-Dienst), Google Book Search, Google Chrome (Webbrowser), knol (Enzyklopädie) oder Google Health (dort kann man seine medizinischen Daten zentral abspeichern). Mit dem Smartphone Nexus One stieg Google 2010 in das Mobilfunkgeschäft ein; Hersteller war die taiwanesische Firma HTC (später auch Motorola, LG und Huawei). Google gehört auch zu den Hauptentwicklern des Betriebssystems und der Software-Plattform Android (für Smartphones, Mobiltelefone, Netbooks, Tablets). 2012 erwarb Google den Handy- und Smartphone-Hersteller Motorola Mobility, der ein Jahr zuvor aus der Aufspaltung des Motorola-Konzerns in die beiden Unternehmen Motorola Mobility (Privatkunden) und Motorola Solutions (Firmenkunden) entstanden war. Googles Interesse lag dabei vor allem an dem umfangreichen und wertvollen Patent-Portfolio von Motorola. Bereits Anfang 2014 wurde Motorola an Lenovo weiterverkauft.

Weitere Google-Projekte sind u.a. die Computerbrille Google Glass (ab 2012), das fahrerlose Auto Google Driverless Car (seit 2011), das Project Loon (Internetdienste über Ballone in der Stratosphäre) und die Entwicklung von Methoden gegen die menschliche Alterung (durch die 2013 gegründete Google-Tochter Calico - California Life Company).

Daneben erwarb das Unternehmen im Laufe der Jahre zahlreiche Firmen, deren Technologien daraufhin in Google-Diensten zur Anwendung kam, u.a. Deja News/Usenet-Archiv (2001; daraus entstand Google Groups), blogger.com (2003), Applied Semantics (2003; Entwickler der KeyWordSense-Technik, die später in AdSense zur Anwendung kam), Where2 (2004; Ursprung von Google Maps), Picasa (2004; Fotoverwaltungssoftware), die kalifornische Firma Keyhole, einen Anbieter von digitalen Satellitenbildern und 3D-Karten (2004; auf Basis der Software Keyhole entwickelte Google den virtuellen Globus Google Earth), Android Inc. (2005; Betriebssysteme für Mobiltelefone), das Videoportal YouTube (2006), das Online-Werbeunternehmen DoubleClick (2007) und AdMob (2010; mobile Display-Werbung).

Die seit 2003 in Mountain View/California ansässige Firma, die im August 2004 an die Technologie-Börse NASDAQ ging, verdient ihr Geld mit der Lizenzierung der PageRank-Technologie an Internetportale sowie Sonderwerbeformen wie das AdWords-Programm (bestimmte Suchworte werden mit passenden Angeboten von Werbekunden verknüpft und in den Ergebnisseiten als separate Textanzeige angezeigt; der Werbekunde muss nur zahlen, wenn tatsächlich auf den Link geklickt wird) und AdSense (Google identifiziert die Inhalte einer Website und schaltet dazu passende Textanzeigen auf diese Seite).

2015 wurde für alle Aktivitäten des Google-Konzerns (u.a. Google Inc., Calico, Nest Labs, Google X, Google Fiber, Google Capital , Google Ventures, YouTube) die Holdinggesellschaft Alphabet Inc. (Mountain View) gegründet.

Inzwischen geräte Google wegen seiner monopolähnlichen Stellung im Suchmaschinenmarkt sowie der unersättlichen Datensammelwut zunehmend in der Kritik. Google sammelt praktisch alle in irgendeiner Weise verfügbaren Nutzerdaten, um sie bei Bedarf werblich nutzen zu können. Das geschieht beispielsweise über die Vergabe von individuellen Cookies, die die Suchanfragen jedes Benutzers protokollieren, um daraus Rückschlüsse auf Interessengebiete ziehen zu können, über eindeutige Identifikationsnummern (Google Chrome) oder über den E-Mail-Dienst Gmail, der einerseits die Anmeldedaten der Nutzer besitzt, und andereseits alle Mails automatisch analysiert, um kontextbezogene Text-Werbung einzublenden. Kritiker sehen in Google weniger einen Suchmaschinenbetreiber, sondern eher einen bedrohlichen Datensammler, einen modernen Big Brother, der alles über seine Nutzer weiß und diese daher in beliebiger Weise manipulieren kann. Computerversierte Nutzer können zwar die ein oder andere Datensammelquelle ausschalten oder umgehen, doch die Mehrzahl wird durch Google zum gläsernen Kunden.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:51