Markenlexikon

Goodyear

USA

Rohkautschuk hat die Eigenschaft sich bei Hitze in eine klebrige, zähflüssige Masse zu verwandeln, während er bei Kälte hart und brüchig wird. Zwar gab es in den 1830er Jahren bereits Firmen, die Schwimmringe, Regenmäntel oder Ventile aus Kautschuk herstellten, die Kunden beschwerten sich jedoch immer wieder darüber, dass sich die Produkte je nach Wetterlage in eine stinkende Masse verwandelten oder einfach zerbrachen. Erst 1839 gelang es dem früheren Eisenwarenhändler Charles Nelson Goodyear (1800 – 1860) Rohkautschuk durch die Zugabe von Schwefel und Bleioxid in dauerelastisches Gummi zu verbacken. Der Legende nach kam es wegen eines Ehestreits zu dieser bahnbrechenden Erfindung. Obwohl er seiner Frau Clarissa versprochen hatte, die teuren und geruchsintensiven Versuche in seinem Haus zu beenden, werkelte er heimlich weiter. Als seine Gattin eines Tages unerwartet nach Hause kam, schmiss er ein Gewebestück, das er zuvor mit einer in Terpentin gelösten Mischung aus Kautschuk, Schwefel und Bleioxid bestrichen hatte, kurzerhand in den Ofen, um es unauffällig verschwinden zu lassen. Wenig später verwandelte sich die klebrige Masse in strapazierfähiges Gummi. 1844 erhielt Goodyear ein Patent auf die sogenannte Vulkanisation (nach Vulcanus, dem römischen Gott des Feuers). 1852 gelang ihm auch die Herstellung von Hartgummi (Ebonit), indem er dem Rohkautschuk mehr Schwefel, als zur Vulkanisierung nötig gewesen wäre, und Schellack beimischte.

Goodyear selbst hatte jedoch nichts von seinen zahlreichen Erfindungen und Patenten. Zwar betrieb er gemeinsam mit seinen Brüdern in Springfield/Massachusetts eine kleine Gummifabrik, die Gummischuhe, wasserdichte Zelte, Bekleidung und Kondome aus Gummi herstellte, aber begnadete Geschäftsleute waren die Goodyears nicht. Schon sein Eisenwarengeschäft in Philadelphia hatte er 1830 aufgeben müssen, zur gleichen Zeit ging auch die Firma seines Vaters, die u.a. Gerätschaften für die Landwirtschaft herstellte, Pleite. Wegen seiner ständigen Schulden hatte Charles Goodyear sogar mehrfach im Gefängnis gesessen. Als er 1860 starb, hinterließ er seiner Frau und seinen sechs Kindern 200.000 Dollar Schulden.

Das Unternehmen, das heute seinen Namen trägt, entstand erst 1898, 38 Jahre nach seinem Tod in Akron/Ohio. Die Brüder Franklin Augustus Seiberling (1859 – 1955) und Charles Willard Seiberling (1861 – 1946) nannten es zu Ehren des großen Erfinders Goodyear Tire & Rubber Company. Zunächst produzierte die Firma Pferdehufpolster sowie Fahrrad- und Kutschenreifen. 1900 kamen Autoreifen hinzu und 1909 Flugzeugreifen. Darüber hinaus baute Goodyear auch Blimps (ab 1912), Wetterballons (ab 1914), starre Luftschiffe (1929), Scheibenbremsen für Flugzeuge (ab 1932) und während des 2. Weltkriegs sogar Flugzeuge (Vought F4U Corsair). Dieser Geschäftsbereich, der später als Goodyear Aircraft und Goodyear Aerospace firmierte, wurde erst 1987 an Loral Defence Systems (heute Lockheed-Martin) verkauft. Um die Nutzfahrzeughersteller von den Vorteilen der Luftreifen zu überzeugen, stellte Goodyear von 1920 bis 1926 auch Lastwagen und Busse her, die jedoch nur Test- und Vorführzwecken dienten.

1921 verließ Frank Seiberling Goodyear und gründete die Seiberling Rubber Company, der von 1927 bis 1935 auch die Gummiwerke Fulda AG gehörte. Dieses Unternehmen war 1900 von Gustav Becker und Moritz Hasenclever in Fulda (Hessen) gegründet worden und hatte zunächst technischen Gummiartikel, Sohlen, Flaschenverschlüsse, Radiergummis und Walzenbeschläge hergestellt. 1906 nahm Fulda die Produktion von Vollgummireifen für Personenwagen auf. Ab 1927 stellte die Firma nur noch Luftreifen her.

Von 1959 bis 1998 war Goodyear Reifenausrüster mehrerer Formel-1-Rennställe und konnte in dieser Zeit 368 Siege und 25 WM-Titel für sich verbuchen. Mit der Entwicklung der profillosen Reifen (Slicks) setzte Goodyear 1971 einen Meilenstein in der Rennsportgeschichte. Im Juli 1971 eroberten Goodyear-Reifen mit dem »Lunar Roving Vehicle« auch den Mond.

1999 gründeten Goodyear und der japanische Gummikonzern Sumitomo Rubber Industries (Dunlop, Falken) das Jointventure Goodyear Dunlop Tires, dass für die Produktion und Vermarktung der Dunlop-Reifen in Nordamerika und Europa zuständig ist. Daneben vermarktet der Goodyear-Konzern seine Reifen auch unter den Marken Fulda (1962 Übernahme der Gummiwerke Fulda AG), Kelly Tires (1935 Übernahme der Kelly Springfield Tire Company/USA) und Slava (1998/2002 Übernahme der slowenischen Slava Group). Produziert werden die Reifen in Fabriken auf der ganzen Welt (Brasilien, Chile, China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Indonesien, Japan, Kanada, Kolumbien, Luxemburg, Malaysia, Niederlande, Peru, Polen, Singapur, Slowenien, Südafrika, Taiwan, Thailand, Türkei, USA, Venezuela).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:51