Markenlexikon

General Motors (GM)

inkl. Buick, Cadillac, Chevrolet, GMC, Holden, Oldsmobile, Pontiac, Saturn, Vauxhall

USA

Ranson Eli Olds (1864 – 1950), der Sohn eine Schmieds, arbeitete ab 1883 in der Firma seines Vaters, die er später dann auch übernahm. Olds, der eine Abneigung gegen Pferde hatte, begann sich ab 1887 mit dem Bau von dampfangetriebenen Automobilen zu beschäftigen. Das erste Auto war 1891 fertig. In den nächsten Jahren baute er noch weitere Prototypen mit unterschiedlichen Antrieben (Benzin, Dampf, Elektro). Im August 1897 gründete er schließlich in Lansing/Michigan die Olds Motor Vehicle Company, die als ältester Automobilhersteller der USA gilt. Die Ursprungsfirma Olds ans Son wurde in Olds Gasoline Engine Works umbenannt und 1899 mit der Olds Motor Vehicle Company in der Firma Olds Motor Works zusammengeschlossen. Zur gleichen Zeit verlor R.E. Olds die Kontrolle über das Unternehmen an den Detroiter Investor Samuel L. Smith, der den Firmensitz in eine neue Fabrik nach Detroit verlegte.

Im März 1901 brannte die Fabrik in Detroit jedoch komplett nieder. Nur ein Fahrzeug überstand das Feuer. Dieses Modell, der von einem Benzinmotor angetriebene Curved Dash, ging 1902 in einer neuen Fabrik in Lansing und in dem wieder aufgebauten Detroiter Werk in Produktion und wurde zum ersten in Großserie produzierten Massenmodell der USA – sieben Jahre bevor Ford's berühmtes Modell T das Licht der Welt erblickte. Bis zur Produktioneinstellung im Jahr 1907 konnten rund 19.000 Exemplare für einen Stückpreis von 650 Dollar verkauft werden. Der Markenname Oldsmobile wurde anfangs nur umgangssprachlich verwendet, offiziell hießen die Fahrzeuge Olds Automobiles. Der Gründer hatte seine Firma schon 1904 verlassen, nachdem er mit Frederic L. Smith, dem Sohn des Eigentümers, wegen der Modellpolitik ständig aneinandergeraten war. Olds wollte einfache und preiswerte Massenautos bauen, Smith dagegen Luxusfahrzeuge. R.E. Olds gründete 1905 ebenfalls in Lansing eine neue Firma, die REO Motor Car Company

Die erste Autofirma in Detroit entstand im August 1899; der damalige Detroiter Bürgermeister William Cotter Maybury (1848 – 1909) rief mit mehreren Finanziers die Detroit Automobile Company ins Leben. Mit der Leitung der Fabrik wurde der junge Henry Ford beauftragt, der 1896 sein sein erstes Auto in einem Schuppen hinter dem Haus seiner Eltern gebaut hatte. Doch nachdem gerade einmal 20 Autos fertiggestellt worden waren, ging das Unternehmen im Januar 1901 Pleite. Im November 1901 gründete Henry Ford die Henry Ford Company. Wenige Monate nach der Firmengründung schied Ford jedoch wieder aus, nachdem er sich mit seinem Geldgeber William Murphy, einem früheren Holzhändler, zerstritten hatte (1903 gründete er die Ford Motor Company). Murphy und sein Partner Lemuel Bowen holten im August 1902 den Ingenieur Henry Martyn Leland (1843 – 1932), der sein Handwerk u.a. in Colts Waffenfabrik erlernt hatte, als neuen Direktor und Aktionär in die Firma. Leland war zu dieser Zeit auch Miteigentümer der Firma Leland & Faulconer, die die Motoren für den Curved Dash Runabout von Oldsmobile produzierte. Als erstes benannte er die Detroit Automobile Company nach dem französischen Offizier Antoine de la Mothe Cadillac (1658 – 1730), der 1701 die Siedlung Ville d'Etroit, das spätere Detroit, gegründet hatte, in Cadillac Automobile Company um. Der erste Cadillac, der teilweise noch auf Henry Fords Konstruktion beruhte (nur der Motor stammte von Leland & Faulconer), kam Anfang 1903 auf den Markt und verkaufte sich in den nächsten drei Jahren außergewöhnlich gut (über 12.000 Exemplare). 1905 schlossen sich die Cadillac Automobile Company und der Motorenlieferant Leland & Faulconer zur Cadillac Motor Car Company zusammen.

1902 begann auch der schottische Mechaniker und frühere Wasserbauingenieur David Dunbar Buick (1854 – 1929), dessen 1899 in Detroit gegründete Buick Auto Vim and Power Company stationäre Motoren herstellte, mit der Autoproduktion. Zu diesem Zweck gründete er eine zweite Firma (Buick Manufacturing Company). Das erste Modell wurde jedoch ein finanzieller Misserfolg. 1903 gründete Buick gemeinsam mit den Brüdern Benjamin und Frank Briscoe ein weiteres Unternehmen, die Buick Motor Company. Kurz darauf verkauften die Briscoe-Brüder, die fast alle Anteile der neuen Firma besaßen, die Buick Motor Company an James Whitting, einen Direktor der Flint Wagon Works, der wiederum die finanzielle Hilfe von William Crapo Durant (1861 – 1947), den Mitbesitzer der Durant-Dort Carriage Company, in Anspruch nehmen musste. Durant-Dort gehörte um die Jahrhundertwende zu den größten Kutschenherstellern Nordamerikas, Bill Durant hatte jedoch bereits erkannt, dass die Tage der guten alten Postkutsche gezählt waren. Er verlegte den Buick-Firmensitz nach Flint, 50 Kilometer von Detroit entfernt, in seine eigenen Werksanlagen. Der »sagenhafte Bill«, wie er von seinen Zeitgenossen auch genannt wurde, erwies sich als überragendes Verkaufsgenie, sodass Buick bereits 1907 der zweitgrößte US-Autohersteller nach Ford war. David Buick zog sich bald darauf aus dem Unternehmen zurück.

1907 rief Edward M. Murphy, der Mitgründer und Besitzer des seit 1893 bestehenden Kutschenherstellers Pontiac Buggy Company, die Oakland Motor Company (ab 1908 Oakland Motor Car Company), ins Leben; die Firma war nach der Oakland Avenue in Pontiac/Michigan, dem Sitz der Pontiac Buggy Company, benannt.

1908 gründete Bill Durant die die Holdinggesellschaft General Motors Company (ab 1916 General Motors Corporation), deren erste Tochtergesellschaft Buick daraufhin wurde. Im gleichen Jahr avancierte Buick zum größten Fahrzeughersteller der USA und 1910 auch der Welt. Erst 1941 wurde Buick durch Chevrolet, einer weiteren Tochtergesellschaft von General Motors, als führender US-Fahrzeughersteller abgelöst. Buick war auch eine der ersten ausländischen Auomarken, die in China verkauft wurden (etwa ab 1912). Zu den chinesischen Buick-Besitzern gehörten u.a. Sun Yat-Sen, der Gründer des modernen China, und Puyi, der letzte chinesische Kaiser.

Noch im Gründungsjahr von GM erwarb Durant Oldsmobile, 1909 folgten Cadillac und Pontiac/Oakland, außerdem der Lastwagenhersteller Rapid Motor Vehicle Company aus Pontiac. 1911 kam noch die Reliance Motor Truck Company aus Owosso/Michigan hinzu, ebenfalls ein Hersteller von Nutzfahrzeugen. 1912 brachte die neugegründete General Motors Truck Company die ersten Lastwagen unter der Bezeichnung GMC auf den Markt. 1913 wurde die gesamte Nutzfahrzeug-Produktion nach Pontiac verlegt.

1910 musste Durant wegen finanzieller Schwierigkeiten des Konzerns seinen Chefsessel bei GM räumen. Kurz darauf wurde er auf Louis Joseph Chevrolet (1878 – 1941) aufmerksam, der mit einem selbst umgebauten Buick erfolgreich Rennen fuhr. Der in der Schweiz geborene und in Frankreich aufgewachsene Chevrolet war 1905 mit seinen Brüdern nach Kanada auswandert und später in die USA gegangen, wo er vor allem als erfolgreicher Rennfahrer Berühmtheit erlangte.

1911 gründeten Louis Joseph Chevrolet, William Little und Edwin Cambell (der Schwiegersohn von Bill Durant) mit finanzieller Hilfe Durants in Detroit die Chevrolet Motor Company. Gleichzeitig kam auch das erste Automobil mit dem Namen Chevrolet, der Classic Six, auf den Markt. Das war das einzige Fahrzeug an dessen Konstruktion Louis Chevrolet beteiligt war. Chevrolet, der vor allem große und teure Autos bauen wollte, verließ seine Firma bereits 1913 wieder, nachdem sich Durant als Geldgeber und eigentlicher Chef für den Massenmarkt entschieden hatte. Der Chevrolet Baby Grand trug 1914 erstmals das bis heute verwendete Markenzeichen (Bowtie), das sich Durant schon Jahre vorher von einem Tapetenmuster eines Pariser Hotels abgeschaut haben soll. Die enormen Gewinne die Chevrolet mit seinen recht preiswerten Modellen einfuhr, ermöglichten es Durant sich wieder bei General Motors einzukaufen und in seine ursprüngliche Chefposition zurückzukehren. 1918 wurde Chevrolet neben Buick, Cadillac, GMC, Oldsmobile und Oakland die sechste GM-Marke. War bis dahin Buick der technische und finanzielle Schrittmacher innerhalb des GM-Konzerns gewesen, so wurde nun Chevrolet die führende Marke. Nachdem Konkurrent Ford 1927 sein populäres, aber inzwischen veraltetes T-Modell eingestellt hatte, stand Chevrolet mit einer Million produzierter Autos an der Spitze der US-Autohersteller. In den 1930er Jahren kehrte Louis Chevrolet noch einmal für kurze Zeit als normaler Arbeiter zu Chevrolet zurück, nachdem alle seine weiteren Firmengründungen wenig erfolgreich gewesen waren. 1941, im Todesjahr Louis Chevrolets, stieg die Firma, die seinen Namen trug, mit 1,4 Millionen verkauften Autos zum weltgrößten Fahrzeughersteller auf.

1912 führte Cadillac als erster US-Hersteller Elektroanlasser und elektrische Beleuchtung an seinen Automobilen ein; entwickelt hatte dieses Autoelektriksystem Charles Franklin Kettering (1876 – 1958), ein Elektroingenieur aus Ohio und Gründer der Dayton Engineering Laboratories Company (Delco; 1909). Nachdem Delco 1919 von General Motors übernommen worden war, wurde Kettering für viele Jahre Entwicklungschef und Vizepräsident der General Motors Research Corporation. Ihm zu Ehren wurde 1955 ein Vorort von Dayton/Ohio, in dem er bis zu seinem Tode lebte, in Kettering umbenannt. Henry Leland und sein Sohn Wilfred verließen Cadillac 1917, da sich General Motors nach dem Eintritt der USA in den 1. Weltkrieg weigerte in die Rüstungsproduktion einzusteigen. GM-Chef Bill Durant soll damals zu Wilfred Leland gesagt haben: »This is not our war, and I will not permit any General Motors unit to do work for the government.« Die Lelands gründeten anschließend die Lincoln Motor Company, die zunächst Flugzeugmotoren und nach dem Ende des Krieges Automobile produzierte (Lincoln wurde 1922 von Ford übernommen).

Ab 1918, als Chevrolet von GM übernommen worden war, kamen die Nutzfahrzeuge des Konzerns teilweise als GMC und Chevrolet in den Handel. General Motors avancierte in den nächsten Jahrzehnten neben der International Harvester Company (International Trucks), Freightliner und Ford zu einem der führenden Hersteller von leichen, mittleren und schweren Lastwagen sowie Zugmaschinen, wobei sich das Unternehmen auf Fahrzeuge von der Stange spezialisierte, während beispielsweise Kenworth oder Peterbilt eher individuelle Trucks für selbstständige Trucker fertigten. 1925 übernahm GM die Mehrheit an der Yellow Coach Manufacturing Company, einem erst zwei Jahre zuvor gegründeten Bushersteller aus Chicago, der zuvor John Herz, dem Gründer und Besitzer des Taxi-Unternehmens Yellow Cab Company sowie der Hertz-Autovermietung gehört hatte. GM benannte das Unternehmen anschließend in Yellow Truck & Coach Manufacturing Company um; die Hertz-Autovermietung wurde 1953 wieder verkauft. GM gehörte nun auch zu den führenden Bus-Herstellern der USA.

1926 begann General Motors mit der Übernahme von Vauxhall Motors seine internationale Expansion.

Der schottische Marine-Ingenieur Alexander Wilson hatte 1857 im Londoner Stadtteil Vauxhall eine Firma gegründet, die zunächst Schiffsmotoren, Pumpen und Kühlanlagen herstellte. 1903 begann das Unternehmen, das seit 1897 als Vauxhall Ironworks firmierte, mit der Automobil-Produktion. 1905 wurde der Firmensitz nach Luton (Bedfordshire) verlegt. 1907 erwarb Leslie Walton, einer der Direktoren dieser Abteilung, die Automobilsparte von Vauxhall, was zur Gründung der Vauxhall Motors Ltd. führte. Ab 1931 stellte Vauxhall auch zivile und militärische Nutzfahrzeuge (Lkw, Transporter, Busse) her, die unter dem Markennamen Bedford verkauft wurden. Für die Produktion der Nutzfahrzeuge nahm Vauxhall 1942 ein neues Werk in Dunstable in Betrieb. Bedford entwickelte sich in den nächsten Jahrzehnten neben Leyland zum führenden britischen Nutzfahrzeughersteller, wobei Bedford bis 1968 lediglich leichtere Lastwagen mit Benzinmotoren produzierte. Von 1960 bis 1963 errichtete Vauxhall in Ellesmere Port (Cheshire) eine weitere Fabrik.

1929/31 erwarb GM die deutsche Adam Opel AG, die infolge der Weltwirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten geraten war, und 1931 Holden in Australien.

Holden geht auf eine von James Alexander Holden (1835 – 1887) 1856 in Adelaide gegründete Sattlerei zurück, die bald auch Kutschen, Wagen, Seitenwagen für Motorräder und Kühlerhauben für Autos produzierte. 1913 stellte die Firma die ersten Fahrzeugkarosserien für importierte englische und US-amerikanische Autos her (Buick, Chevrolet, Dodge, Morris). 1924 eröffnete Holden in Woodville die damals modernste Autofabrik in Australien. Nach der Übernahme durch GM wurden bei Holden hauptsächlich GM-Fahrzeuge mit einigen Modifikationen für den australischen Markt montierte, vor allem Chevrolets und Buicks, aber auch Modelle anderer Hersteller wie Chrysler, Essex, Hudson, Plymouth, Reo, Studebaker und Willys-Overland, die nicht zum GM-Konzern gehörten. Erst 1948 brachte Holden mit dem FX das erste komplett in Australien entwickelte Fahrzeug auf den Markt. Dennoch blieben die GM-Abkömmlinge bis heute das Hauptstandbein des Unternehmens, sodass man Holden eher als australisches GM-Montagewerk bezeichnen kann. Bis Anfang der 1980er Jahre blieb Holden der führende Autohersteller in Australien und Neuseeland, erst danach setzte sich Ford dort an die Spitze.

1926 adaptierte Oakland die ehemalige Kutschenmarke Pontiac für ein neues Modell, den Pontiac Six (wegen des Sechszylinder-Motors), der sich Dank seines niedrigen Preises noch besser verkaufte als die Fahrzeuge der Muttergesellschaft. Zur gleichen Zeit errichtete GM in Pontiac eine neue Fabrikanlage, die bis 1988 in Betrieb blieb. Die Oakland Motor Company firmierte ab 1932 als Pontiac Motor Company und seit 1933 als Pontiac Motor Division. Als die Verkaufszahlen während der Wirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre empfindlich zurückgegangen waren, entschloss man sich bei General Motors 1932, die Marke Oakland zugunsten von Pontiac einzustellen. Nachdem Pontiac die ganzen 1930er und 1940er Jahre über die typischen amerikanischen Familienautos gebaut hatte, die sich alle nicht sonderlich voneinander unterschieden, spezialisierte sich die Firma ab Mitte der 1950er Jahre zunehmend auf sportlichere Fahrzeuge mit allerlei interessanten Neuerungen wie Weitwinkel-Windschutzscheiben, Heckflossen und zweifarbiger Lackierung, sodass die Pontiacs aus dieser Zeit zu den schönsten amerikanischen Autos zählten (Chieftain, Star Chief, Bonneville). Bis zur Einstellung der Marke im Jahr 2010 war Pontiac neben Chevrolet (Corvette, Camaro) innerhalb des GM-Konzerns für die sportlichen Fahrzeuge zuständig (1964 – 1974 GTO, 1967 – 2002 Firebird, 1984 – 1988 Fiero, 2003 – 2006 GTO, 2005 Solstice). In Europa wurden vor allem das Muscle-Car Firebird und der futuristische Minivan Pontiac Trans Sport/Oldsmobile Silhouette/Chevrolet Lumina APV (1990 – 1996) bekannt, der sich hier wesentlich besser verkaufte als in seinem Heimatland.

1953 brachte Chevrolet mit der Corvette (nach dem gleichnamigen Schiffstyp) den ersten US-Sportwagen auf den Markt. Manche Motorenthusiasten halten ihn noch heute für den einzig wahren amerikanischen Sportwagen. Bis zu dieser Zeit dominierten ausschließlich Sportwagen europäischer Herkunft wie Aston-Martin, Austin-Healey, Jaguar, MG und Triumph die amerikanischen Straßen; einen richtigen amerikanischen Sportwagen gab es bis dahin nicht. Das brachte die GM/Chevrolet auf die Idee, endlich einen eigenen zu entwickeln. Da man möglichst wenig Zeit und Geld investieren wollte, entschied sich Chevrolet für eine komplette Karosserie aus Glasfiber; damit war die Corvette das erste Serienfahrzeug der Welt mit einer Kunststoffkarosserie. Allerdings sah auch der zu schwache 150-PS-Sechszylindermotor, der die Corvette immerhin noch auf 170 km/h beschleunigte, etwas nach Sparmaßnahmen aus. Mit der Leistung echter europäischer Sportwagen konnte sich die Ur-Corvette noch nicht vergleichen. Im Januar 1953 stellte GM den zweisitzigen Roadster im New Yorker Waldorf-Astoria-Hotel der Öffentlichkeit vor. Im Juni begann die Serienfertigung, nur kaufen wollte ihn anfangs kaum jemand. Erst als Chevrolet bei den nachfolgenden Modellen die Leistung kontinuierlich bis auf über 400 PS steigerte, wurde aus dem Sparmodell ein ernstzunehmender Sportwagen. Vor allem der C2 (ab 1963), der auch den Beinamen »Sting Ray« bzw. später »Stingray« (engl. Stachelrochen) bekam, und der C3 (1968 – 1983) gelten mit ihren aufregend gestylten Karosserien als die typischen Corvettes.

Während sich Chevrolet auf den Massenmarkt konzentrierte und Pontiac die sportlichen Autofahrer ansprach, widmeten sich Buick und Oldsmobile vor allem den eher konservativen Familienvätern. Den Luxusbereich deckte die Marke Cadillac ab, ebenso wie Lincoln bei Ford oder Imperial von Chrysler. Da die frühen Cadillacs zwar technisch ausgereifte, aber optisch eher langweilige Fahrzeuge gewesen waren, widmete man dem Design in den späten 1940er Jahren mehr Aufmerksamkeit. Die neuen Cadillacs wurden nun immer länger, breiter und niedriger; riesige Heckflossen, viel Chrom, Doppelscheinwerfer und Automatikschaltung waren Standard. Cadillac-Designer Harley Earl (1893 –1969) gilt als Erfinder der Heckflossen, die er sich vom Doppelleitwerk des Jagdflugzeugs Lockheed P-38 abgeguckt hatte und die bis 1965 in Mode blieben. Zu den besten Cadillacs gehören zweifelsohne die Eldorado-Cabrios der 1950er Jahre, die bis heute als Inbegriff des amerikanischen Traumautos gelten. Cadillac ist innerhalb des GM-Konzerns bis heute für die großen Luxuslimousinen zuständig, auch wenn die Modelle ab den frühen 1970er Jahren für amerikanische Verhältnisse etwas kleiner und maßvoller wurden.

1969/1970 entwickelte die General-Motors-Tochter Delco Electronics (Santa Barbara/California) gemeinsam mit Boeing und dem Marshall Space Flight Center der NASA die elektrisch betriebenen Mondmobile (Lunar Roving Vehicle), die bei den letzten drei Apollo-Mondlandungen 1971 und 1972 (Apollo 15, 16, 17) zum Einsatz kamen, um die Beweglichkeit der Astronauten zu erhöhen. Die drei LRVs stehen bis heute auf dem Mond. 1973 brachte GM unter der Marke GMC erstmals komplette Wohnmobile auf den Markt.

In den frühen 1970er Jahren entwickelte GM das kompakte Weltauto GM-T-Car, das gegen den international vorherrschenden VW-Käfer antrat. Die ersten Fahrzeuge kamen 1973 als Chevrolet Chevette in Brasilien auf den Markt (in den USA erst 1975). Insgesamt wurde das GM-T-Car unter mehr als 25 Namen verkauft (u.a. Opel Kadett C, Vauxhall Chevette, Holden Gemini, Isuzu Gemini, Pontiac T-1000, Vauxhall/Bedford Chevanne, Chevrolet Chevy 500). Neben dem Chevette waren und sind auch zahlreiche andere Chevrolet-Modelle teilweise oder vollständig baugleich mit denen anderer GM-Marken, vor allem Pontiac, GMC und Holden (Australien). Von 1988 bis 1999 verkauften US-amerikanische Chevrolet-Händler Fahrzeuge von Toyota (u.a. Toyota Corolla – Geo Prizm) und Suzuki (u.a. Suzuki Vitara – Geo Tracker, Suzuki Swift – Geo Metro) unter der Marke Geo.

Ab Mitte der 1980er Jahre zog sich GM allmählich aus dem Nutzfahrzeuggeschäft zurück. Zunächst wurde 1986 die Lastwagenproduktion von Vauxhall (Bedford) in Großbritannien an David J.B. Brown, John Ward und John F. Andrews verkauft, die das Unternehmen in AWD Trucks Ltd. umfirmierten (AWD stellte die Produktion 1992 ein), die Bus-Sparte und das dazugehörige Werk in Saint-Eustache/Quebec (Kanada) übernahm 1987 Greyhound. 1988 beteiligte sich GM an der Volvo-White Truck Corporation, sodass das Unternehmen 1989 in Volvo GMC Heavy Truck Corporation umbenannt wurde und bis 1995 die Marke White-GMC verwendete. 1997 übernahm Volvo auch die restlichen Anteile, die sich noch im Besitz von General Motors befanden. Seither firmiert die US-amerikanische Volvo-Tochter als Volvo Trucks North America. GM verwendet die Marke GMC heute nur noch für leichte Nutzfahrzeuge, Geländewagen, SUVs, Wohnmobile und Pickups, die eine etwas gehobenere Ausstattung haben, als die teilweise baugleichen Modelle der Chevrolet-Division. GM Defense (gepanzerte Militärfahrzeuge) wurde 2003 an den Rüstungskonzern General Dynamics verkauft.

Im Januar 1985 rief General Motors die Tochtergesellschaft Saturn Corporation ins Leben, die mit ihren kompakten und preiswerten Modellen den japanische und europäischen Autoherstellern Konkurrenz machen sollte. Saturn war im Gegensatz zu den anderen GM-Divisionen eine eigenständige Tochtergesellschaft mit einer eigenen Fabrik und einem separaten Händlernetz. Der Name Saturn war an die gleichnamige Mond-Rakete angelehnt, mit der die Amerikaner den Wettlauf zum Mond gewannen (das sowjetische Pendant N1 hingegen funktionierte nie richtig und absolvierte keinen einzigen Flug). Die Idee zu der neuen Firma war schon Mitte 1982 entstanden; Ende 1984 wurde das erste noch konzeptionelle Saturn-Modell der Öffentlichkeit präsentiert. Die Produktion begann jedoch erst 1990 in einem neuen Werk in Spring Hill/Tennessee. Das erste Modell war der Saturn S-Series (1991 – 2002), der sich Dank seines moderaten Preises hervorragend verkaufte. Bis 1995 produzierte Saturn 1 Million Exemplare, 1999 waren es bereits 2 Millionen. Verkauft wurden die Fahrzeuge zunächst ausschließlich in Nordamerika und ab 1997 auch in Japan. Die L-Series (1999 – 2005) war dann schon keine Eigenentwicklung mehr, sondern ein modifizierter Opel Vectra B, der im GM-Werk in Wilmington/Delaware vom Band lief, ebenso wie der Roadster Saturn Sky (2006 – 2010), der in Europa als Opel GT verkauft wurde. Auch der Aura (2006 – 2010), ein Opel Vectra C, rollte nicht in Spring Hill vom Band, sondern in der GM-Fabrik in Kansas City. Der Saturn Astra (Opel Astra H), der Nachfolger des Saturn ION (2003 – 2007), kam aus dem GM-Werk Antwerpen (Belgien). Das Crossover-SUV Saturn Outlook (2006 – 2010), das es auch als GMC Acadia, Buick Enclave und Chevrolet Traverse gab, wurde in der GM-Fabrik Lansing Delta Township gefertigt. Das Kompakt-SUV Saturn VUE (2001 – 2009) war wieder eine Saturn-Entwicklung, die auch im Saturn-Werk montiert wurde; dieses Fahrzeug gab es außerdem als Chevrolet Captiva Sport, Daewoo Winstorm MaXX, GMC Terrain, Holden Captiva, Opel Antara und Vauxhall Antara. Der VUE war das Saturn-Modell, das sich insgesamt am besten verkaufte.

Ende 1999 verkaufte der Militärfahrzeughersteller AM General die Marke Hummer an den General-Motors-Konzern, der die weltweite Vermarktung des Fahrzeugs übernahm. Der Hummer war die seit 1992 gebaute zivile Variante des 1,5-Tonnen-Kommandofahrzeugs »High-Mobility-Multi-Purpose-Wheeled-Vehicle« (HMMWV oder Humvee), das ab 1985 von AM General für die U.S. Army gebaut wurde. Den originalen Hummer (H1) und das von GM entwickelte SUV Hummer H2 (seit 2002) baute jedoch weiterhin AM General in Mishawaka/Indiana; den Hummer H3 (seit 2005), ein SUV, das eher an herkömmliche Geländewagen erinnert, wurde in den GM-Werken Shreveport/Louisiana und in Port Elizabeth (Südafrika) montiert. Seit dem Anstieg der Ölpreise im Jahr 2005 ließen sich die Fahrzeuge jedoch immer schwerer verkaufen. Nach teilweise drastischen Absatzeinbrüchen stellte AM General die Produktion des H1 2006 schließlich ein.

1978 beteiligte sich der südkoreanische Mischkonzern Daewoo an der Saehan Motor Company, deren Vorgängerfirma, die Shinjin Motor Company, seit 1972 aufgrund eines Kooperationsabkommens mit General Motors leicht modifizierte Modelle der GM-Tochter Opel baute. In den USA kamen diese Fahrzeuge teilweise als Chevrolet und Pontiac in den Handel. Zuvor hatte Shinjin Toyotas in Lizenz produziert. 1973 entstanden bei Shinjin die ersten Lastwagen und 1976 wurde das Unternehmen erst in Saehan und dann 1983 in Daewoo Motor Company umbenannt. 1990 entwickelte Daewoo das erste eigene Fahrzeug, den Espero. 1992 wurde das Abkommen mit GM aufgelöst. Infolge der asiatischen Finanzkrise musste die Daewoo Motor Company im November 2000 Konkurs anmelden. Einen Monat später teilte sich die Daewoo Group in die drei Gesellschaften Daewoo International (Handel), Daewoo Engineering & Construction (Bau) und Daewoo Corporation (alle übrigen Firmen) auf. Nach weiteren Umstrukturierungen blieben Daewoo International, Daewoo Electronics, Daewoo Shipbuilding & Marine Engineering und Daewoo Engineering & Construction übrig. 2002 erwarb General Motors die Mehrheit (50,9 Prozent) der Daewoo Motor Company (nun GM Daewoo), was dazu führte, dass die in Südkorea und Vietnam montierten Daewoo-Modelle seit 2005 als Chevrolet (Europa, Kanada, Naher Osten, Südafrika, Thailand, USA), Buick (Kanada, USA), Pontiac (Kanada, USA), Holden (Australien, Neuseeland) oder Suzuki (USA) verkauft werden. Lediglich in Südkorea und Vietnam kommen sie weiterhin als Daewoo auf den Markt. Neben GM ist auch Suzuki (Japan) und die chinesische Shanghai Automotive Industry Corporation (SAIC) an GM-Daewoo beteiligt. Die Nutzfahrzeugabteilung von Daewoo wurde 2004 an Tata Motors aus Indien verkauft (Tata Daewoo Commercial Vehicle).

Die Oldsmobile Motor Divison, die innerhalb der GM-Hierarchie ebenso wie Buick unterhalb der Luxus Divison Cadillac stand, aber oberhalb von Pontiac (sportliche Fahrzeuge), Chevrolet (Massenmarkt) und GMC (Trucks, Pick-ups, Geländewagen), wurde 2004 aufgelöst, da es aus Sicht der GM-Verantwortlichen wenig Sinn machte, zwei Automarken mit fast identischen Produkten zu betreiben (Buick, Oldsmobile). Der letzte Oldsmobile, der das Werk in Lansing verließ, war im April 2004 ein Oldsmobile Alero. Die originale Oldsmobile-Fabrik wurde 2006/2007 abgerissen. In Lansing gibt es allerdings noch zwei weitere GM-Fabriken, die von 1999 bis 2001 errichtete Lansing Grand River Assembly und die Lansing Delta Township Assembly (seit 2006).

Drastisch gestiegene Benzinpreise, Kaufzurückhaltung bei den durstigen SUVs, Vans und Pickups sowie die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 führten dazu, dass der seit vielen Jahrzehnten größte Automobilkonzern der Welt am 1. Juni 2009 Insolvenz anmelden musste; an diesem Tag verfügte GM über ein Vermögen von 82,3 Milliarden US-Dollar, hatte aber gleichzeitig Schulden in Höhe von 172,8 Milliarden US-Dollar. Das Insolvenzverfahren wurde in nur 40 Tagen abgewickelt; anschließend befanden sich die GM-Aktien im Besitz der USA (60,8 Prozent), Kanadas (11,7 Prozent), der Automobilarbeitergewerkschaft UAW/United Auto Workers (17,5 Prozent) sowie der Gläubiger (10 Prozent). Im November 2010 kehrte General Motors an die New Yorker Börse zurück. Mit einem Gesamtvolumen von mehr als 23 Milliarden Dollar ist der GM-Börsengang der größte aller Zeiten. Im Zuge der Neuausrichtung des Konzerns wurden die Marken Pontiac, Saturn und Hummer eingestellt.

Die wichtigsten GM-Werke befinden sich in Arlington/Texas, Baltimore/Maryland, Bogotá (Kolumbien), Bowling Green/Kentucky, Bupyeong/Incheon (Südkorea), Changwon (Südkorea), Delta Township/Michigan, Detroit/Michigan, Doraville/Georgia, Flint/Michigan, Gliwice (Polen), Gunsan (Südkorea), Hamtramck/Michigan, Hanoi (Vietnam), Ingersoll/Ontario (Kanada), Janesville/Wisconsin, Kansas City/Kansas, Lakewood/Georgia, Lansing/Michigan, Leeds/Missouri, Lordstown/Ohio, Moraine/Ohio, Norwood/Ohio, Oklahoma City/Oklahoma, Orion Township/Michigan, Oshawa/Ontario (Kanada), Pontiac/Michigan, Ramos Arizpe (Mexiko), Rayong (Thailand), Roanoke/Indiana, Sainte-Thérèse/Quebec (Kanada), São José dos Campos (Brasilien), Scarborough/Ontario (Kanada), Shanghai (China), Shreveport/Louisiana, Silao (Mexiko), Spring Hill/Tennessee, Valencia (Venezuela), Van Nuys/California, Wentzville/Missouri, Wilmington/Delaware, Yantai (China) und Ypsilanti/Michigan.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:51