Markenlexikon

Ferrari

Italien

Der gelernte Schloser Enzo Anselmo Ferrari (1898 – 1988) war von 1920 bis 1929 Test- und Rennfahrer bei Alfa-Romeo. 1929 gründete er zusammen mit dem Textilhändler und Amateurennfahrer Mario Tadini (1905 – 1983) in Modena eine eigene Firma (Scuderia Ferrari), die zunächst weiterhin für Alfa-Romeo tätig war und ab 1933, als sich Alfa aus dem Rennsport zurückzog, die Alfas für private Rennfahrer umbaute und betreute. 1939 gründete Ferrari eine zweite Firma, die eigentlich nur allerlei Kleinteile für die Maschinenbau-, Fahrzeug- und Flugzeugindustrie herstellen sollte (Auto Avio Costruzioni). Doch noch im gleichen Jahr baute Ferrari bereits seinen ersten Rennwagen auf Basis des Fiat 508 C Balilla 1100 und mit einer Karosserie von Carrozzeria Touring Milano zusammen. Da Ferrari seinen eigenen Namen aufgrund einer Vertragsklausel mit Alfa-Romeo bis 1944 nicht benutzen durfte, nannte er das Fahrzeug, von dem nur zwei Exemplare gebaut wurden, AAC Tipo 815. Bis zum Ende des 2. Weltkriegs, während die Firma Teile für die Flugzeugindustrie produzierte, passierte nicht mehr viel, außer dass man 1943 nach Maranello, ein Dorf in der Nähe von Modena, umzog, da die Fabrik in Modena durch Bombenangriffe der Allierten zerstört worden war. Die neue Fabrik wurde 1944 ebenfalls von Bomben schwer getroffen.

Das erste Auto, das den Namen Ferrari trug, war der Ferrari 125 Sport von 1947; von diesem Modell wurden nur zwei Exemplare gebaut, die beide nicht erhalten geblieben sind. Der Ferrari 166 (1948 – 1953) gewann 1948 das Langstrecken-Straßenrennen Mille Miglia (Tausend Meilen) in Norditalien und holte den Gesamtsieg beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans. Neben den Rennversionen (166 Spyder Corsa, 166MM, 166FL) gab es von diesem Typ erstmals auch eine zivile Variante mit längerem Radstand und gedrosseltem Motor (Ferrari 166 Inter). Von 1948 bis 1951 entstanden 39 Exemplare mit verschiedenen Karosserien von Touring (Coupé), Farina (Fließheck-Coupé, Spider), Vignale (Coupé), Ghia (Coupé) und Bertone (Spider). Zu dieser Zeit waren die Straßensportwagen jedoch eher eine Nebenbeschäftigung, im Vordergrund standen die reinrassigen Rennwagen.

Ab 1950 beteiligte sich Ferrari an der neuen Formel-1-Weltmeisterschaft, verpasste jedoch das allererste Rennen am 13. Mai 1950 in Silverstone. Die Formel-1-WM 1950 gewann Guiseppe (Nino) Farina, der Neffe des Karosseriebauers Battista Pininfarina, mit einem Alfa-Romeo. 1951 holte Juan Manuel Fangio für Alfa-Romeo erneut den Formel-1-Titel. Danach zog sich Alfa-Romeo aus der Formel-1 zurück. Das Erbe von Alfa-Romeo trat nun Enzo Ferrari mit seinem Rennstall an; er übernahm für seine Autos sogar das traditionelle Alfa-Romeo-Rot (Roso Alfa). Ferrari ist der einzige Rennstall, der ununterbrochen an der Formel-1-WM teilgenommen hat. Das ist wohl auch der Grund dafür, dass die Begeisterung der Italiener für diese Marke wesentlich größer ist als für andere italienische Sportwagenhersteller wie Maserati, Lamborghini oder De Tomaso. Bis heute konnte sich Ferrari insgesamt 15 WM-Titel sichern (1952, 1953, 1956, 1958, 1961, 1964, 1975, 1977, 1979, 2000, 2001, 2002, 2003, 2004, 2007). Rennfahrer wie Alberto Ascari, Juan Manuel Fangio, Mike Hawthorn, Wolfgang Graf Berghe von Trips, Phil Hill, John Surtees, Niki Lauda, Jody Scheckter, Gilles Villeneuve und Michael Schumacher errangen mit diesem Rennstall ihre größten Erfolge. Daneben feierte Ferrari auch in anderen Rennserien Erfolge, u.a. bei der von 1953 bis 1992 ausgetragenen Sportwagen-Weltmeisterschaft (zwölf Konstrukteurstitel von 1953 bis 1972), beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans (neun Siege von 1949 bis 1965), beim 1000-km-Nürburgring-Rennen (von 1953 bis 1973 sieben Siege), beim zwölf-Stunden-Rennen von Sebring (neun Siege von 1956 bis 1989), beim 24-Stunden-Rennen von Daytona (zwei Siege von 1967 bis 1972) und bei der Targa Florio (sechs Siege von 1948 bis 1972).

Ferrari
Ferrari

Nachdem sich Ferrari in der Rennsportszene einen Namen gemacht hatte, wurde die Firma 1957 offiziell in Auto Costruzioni Ferrari umbenannt und 1960 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt (Società Esercizio Fabbriche Automobili e Corse/SEFAC S.p.A.; ab 1965 Ferrari S.p.A. Esercizio Fabbriche Automobili e Corse; ab 1989 Ferrari S.p.A.). Ab 1953 gab es neben den verschiedenen Rennsportwagen auch regelmäßig zweisitzige Straßensportwagen von Ferrari, meist als Coupé und Spider und mit Karosserien von allen großen italienischen Designfirmen wie Bertone, Ghia, Pininfarina, Scaglietti, Touring, Vignale oder Zagato; die überwiegende Mehrzahl der Ferrari-Karosseriedesigns stammen jedoch von Pininfarina.

1957 führte Ferrari eine zweite Marke ein, die nach dem Rufnamen des früh verstorbenen Gründersohns Alfredo Ferrari (1932 – 1956) benannt wurde. Die Dino-Serie, die zunächst nur aus Formelrennwagen und Rennsportwagen bestand, hatte im Gegensatz zu den bei Ferrari üblichen Zwölfzylindermotoren V6-Motoren. Ab 1967 gab es auch mehrere Serienmodelle (1967 – 1969 Dino 206 GT, 1969 – 1974 Dino 246 GT/GTS, 1973 – 1980 Dino 308 GT4, 1975 – 1980 Dino 208 GT4), außerdem den von Fiat gebauten Fiat Dino (1966 – 1974), der nur deswegen gebaut wurde, weil die Regularien der neuen Formel-2-Europameisterschaft vorschrieben, dass von dem Rennmotor mindestens fünfhundert Stück auch in Serienfahrzeuge eingebaut werden mussten. Da Ferrari die Kapazität und die finanziellen Mittel dafür fehlten, wandte sich Enzo Ferrari an den Fiat-Konzern, der sich 1969 auch gleich noch mit 40 Prozent an Ferrari beteiligte.

Als besonders erfolgreich erwies sich der von 1969 bis 1973 gebaute Ferrari 365 GTB/4 (Coupé) bzw. GTS/4 (Spider), der vor allem unter seinem inoffiziellen Namen Daytona bekannt wurde. Der Daytona war das Sinnbild eines Männerautos, wie es ein Redakteur der Zeitschrift Auto, Motor und Sport formulierte, für Niki Lauda hatte das Heck des Daytona gar erotische Züge und Don Johnson alias Sonny Crockett fuhr in der 1980er-Jahre-TV-Serie »Miami Vice« eine Daytona Replika, deren Verwendung Enzo Ferrari jedoch gerichtlich verbieten ließ. Dafür durfte die Filmfigur dann einen echten weißen Ferrari Testarossa fahren. Auch in mehreren anderen TV-Serien kamen Ferrari-Fahrzeuge zu filmischen Ehren; Tom Selleck fuhr in der Detektiv-Serie »Magnum« einen 308 GTS und Tony Curtis in »Die Zwei« einen Ferrari Dino 246 GT.

Das letzte Auto, das unter der Ägide von Enzo Ferrari entstand, war der F40 (1987 – 1992). Zum bisher meistverkauften Fahrzeug der Ferrari-Geschichte avancierte der von 1999 bis 2005 gebaute Ferrari 360 Modena (rund 10.000 Exemplare). Nach dem Tod des Gründers 1988 übernahm Fiat weitere 50 Prozent von Ferrari, die restlichen 10 Prozent befinden sich bis heute in der Hand des zweiten Gründersohns Piero Lardi Ferrari (* 1945). Enzo Ferrari galt als ausgesprochen charismatische, aber auch schwierige Persönlichkeit, wie der heimliche Spitzname »il Drake« (der Drachen) beweist. Wer der grauen Eminenz mit den markanten Gesichtzügen und der tiefen Stimme ohne triftigen Grund widersprach, der zog sich schnell den biblischen Zorn des Patriarchen zu, wen er aber mit persönlichen Handschlag begrüßte, der fühlte sich fast so, als sei er gerade heiliggesprochen worden. Seinen offiziellen Beinamen »il Commendatore« hatte er bereits 1927 durch die Verleihung des gleichnamigen italienischen Verdienstordens erhalten. Die Rennstrecke in Imola, nur rund 80 Kilometer vom Ferrari-Firmensitz entfernt, wurde 1988 in Autodromo Enzo e Dino Ferrari umbenannt (zuvor nur Autodromo Dino Ferrari).

Im Oktober 2015 brachte Fiat Chrysler Automobiles (FCA), die Muttergesellschaft der Ferrari S.p.A., 10 Prozent der Ferrari-Anteile an die New Yorker Börse NYSE.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:51