Markenlexikon

Faber-Castell

Deutschland

Bereits in der Antike wurden Bleigriffel (lat. stilus plumbeus) wegen der guten Abriebeigenschaften als Schreibwerkzeug verwendet. Im Mittelalter lötete man auf die Bleigriffel Silberspitzen auf. Das Schreiben und Zeichnen mit diesem Reißbley glich allerdings mehr einem Kratzen. In größerem Stil wurden Bleistifte (Bleyweißsteffte) erstmals in England gefertigt, wo man 1658 im Cumberland-Gebirge auf große Graphitvorkommen gestoßen war (Borrowdale-Graphit), die man jedoch zunächst für Bleiglanz (Galenit) hielt. Erst 1779 entdeckte der deutsch-schwedische Chemiker Carl Wilhelm Scheele (1742 – 1786), dass es sich bei der neuen Substanz um einen kristallisierten Kohlenstoff handelte. Er nannte sie Graphit, nach dem griechischen Wort »grafein«, das soviel wie »schreiben« bedeutet. Die Bezeichnung Bleistift hatte sich jedoch schon durchgesetzt, und so blieb man bis heute dabei. Die Graphitstücke wurden zur Stabilisierung zunächst mit Draht umwickelt und später in verschiebbare oder feste Hüllen aus Zedernholz eingefasst. Von England aus verbreitete sich das neue Schreibwerkzeug bald über den ganzen Kontinent.

In Deutschland wurden Bleistifte erstmals 1644 erwähnt. 1662 gründete der Schreiner Friedrich Staedler in Nürnberg eine der ersten deutschen Bleistiftfabriken. 1761 ließ sich auch Caspar Faber (1730 – 1784), ebenfalls ein Schreiner, in Stein bei Nürnberg nieder und eröffnete eine kleine Werkstatt, in der er Bleistifte herstellte, die seine Frau auf dem Nürnberger Markt verkaufte. Der lange Zeit verwendete Markenname A.W. Faber geht auf Anton Wilhelm Faber (1758 – 1819), den Sohn des Gründers zurück. Der Raum Nürnberg entwickelte sich bald zum Zentrum der deutschen Bleistiftindustrie, vor allem als der französische Chemiker und Maler Nicolas Jacques Conté (1755 – 1805) 1795 ein Verfahren entwickelte, mit dem unreiner Graphit aus deutschen und österreichischen Minen zu Bleistiftherstellung verwendet werden konnte; zuvor hatten die deutschen Bleistiftmacher den teuren englischen Graphit importieren müssen, zeitweise war der Export von den Engländern aus militärischen Gründen (Gussformen für Kanonenkugeln wurden aus Graphit hergestellt) auch verboten worden.

1839 brachte Johann Lothar Freiherr von Faber (1817 – 1896) den bis heute üblichen sechseckigen Bleistift auf den Markt und gründete ein eigenes Vertriebssystem mit zahlreichen internationalen Niederlassungen (1849 New York, 1851 London, 1852 Paris, 1872 Wien, 1874 St. Petersburg). 1861 wurde ein zweites Werk in Geroldsgrün in Betrieb genommen. Der Firmen- und Markenname Faber-Castell entstand 1898, nachdem Ottilie von Faber (1877 – 1944) Graf Alexander zu Castell-Rüdenhausen (1866 – 1929) geheiratet hatte. Zu dieser Zeit war Deutschland der weltweit führende Bleistifthersteller. Auf der Verpackung der besonders hochwertigen Bleistiftmarke Castell wurde 1905 das sogenannte »Turnier der Bleistift-Ritter« abgebildet, das heute Teil des Faber-Castell-Markenzeichens ist. 1931/32 übernahm Faber-Castell die 1866 von Lothar von Fabers Bruder Johann gegründete Johann Faber AG sowie deren Tochtergesellschaft Lapis Johann Faber in São Carlos (Brasilien), die damals größte Bleistiftfabrik Südamerikas. Faber-Castell produziert heute jährlich rund 1,8 Milliarden holzgefasste Farb- und Bleistifte. Daneben werden Kugelschreiber, Markierstifte, Radiergummis, Kreidestifte, Künstlerfarben und seit 1978 auch Kosmetikprodukte wie Kajalstifte, Eyeliner, Lippenstifte, Augenbrauenstifte und Applikatoren hergestellt. Von 1950 bis 1975 fertigte das Faber-Castell auch Füllfederhalter. Das Unternehmen, das 2000 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wurde, befindet sich in achter Generation im Besitz der Familie Faber-Castell. Produktionsstätten gibt es in Brasilien (Manaus, Prata, São Carlos), China (Kanton), Costa Rica (Neily), Indien (Goa), Indonesien (Bekasi, Jakarta, Sumatra), Kolumbien (Bogotá), Malaysia (Subang Jaya), Österreich (Engelhartszell) und Peru (Lima).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:51