Markenlexikon

ENI / Agip

Italien

Um die Vormachtstellung ausländischer Ölkonzerne (vor allem Shell und Esso) zu beenden, gründete die italienische Regierung 1926 die Azienda Generale Italiana Petroli (Agip) – zu deutsch: Allgemeines italienisches Unternehmen für Erdölprodukte. Zunächst importierte Agip rumänisches und sowjetisches Erdöl und erschloss Ölquellen in den italienischen Kolonien (Libyen, Italienisch-Ostafrika), die jedoch nach dem Ende des 2. Weltkriegs wieder verloren gingen.

1945 übernahm Enrico Mattei (1906 – 1962) im Auftrag des Nationalen Befreiungskomitees Norditaliens die Leitung des Staatsunternehmens, das 1953 in die neu gegründete staatliche Industrieholding ENI (Ente Nazionale Idrocarburi = Nationale Gesellschaft für Kohlenwasserstoffe) eingegliedert wurde. Gleichzeitig führte man den sechsbeinigen feuerspeienden Hund als Markenzeichen ein. Laut einer ENI-Presseerklärung von 1953 sollte dieses Fabelwesen die vier Reifen eines Autos und die beiden Beine des Fahrers darstellen.

Aufgrund relativ fairer Konditionen, die die ENI den Förderländern einräumte, kam das Unternehmen ab Mitte der 1950er Jahre auch an Konzessionen, die anderen Ölkonzernen verwehrt blieben (Ägypten, Iran, Libyen, Marokko, Sudan); außerdem importierte der Staatskonzern weiterhin sowjetisches Erdöl. Damit beschwor die ENI jedoch den Zorn der internationalen Ölkonzerne herauf. Der US-Auslandsgeheimdienst CIA bezeichnete die Energiepolitik Matteis als »eine Bedrohung der amerikanischen Interessen in Italien und im Nahen Osten« und empfahl, »dringend entsprechende Maßnahmen zu ergreifen«. Der Flugzeugabsturz Matteis 1962 ist bis heute nicht aufgeklärt; seit Jahrzehnten besteht der Verdacht, dass es sich dabei um ein Attentat gehandelt haben könnte.

1992 wurde ENI in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, seit 1995 werden die Aktien des Unternehmens an der Börse gehandelt. Von 1995 bis 1998 gab der italienische Staat die Aktienmehrheit an private Anleger ab.

ENI fördert heute Erdöl und -gas u.a. in Ägypten, Algerien, Angola, Australien, Gabun, im Golf von Mexiko, in Großbritannien (Nordsee), Indien, Indonesien, Italien, Kasachstan, im Kongo, in Kroatien, Libyen, Nigeria, Norwegen (Nordsee), Pakistan, Saudi-Arabien, Tunesien, Turkmenistan, Venezuela und den USA (Alaska). Daneben betreibt der Konzern Raffinerien in Italien, Deutschland, der Tschechischen Republik und Portugal sowie Tankstellen in mehreren europäischen Ländern.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 08.07.2018 | 13:38