Markenlexikon

Ducati

Italien

Die 1926 von den Brüdern Adriano Cavalieri Ducati (1903 – 1991), Marcello Cavalieri Ducati und Bruno Cavalieri Ducati (1904 – 2001) in Bologna gegründete Firma Società Scientifica Radio Brevetti Ducati produzierte zunächst Bauteile für die Elektro- und Radio-Industrie, u.a. Kondensatoren und Röhren. Nach dem Eintritt Italiens in den 2. Weltkrieg wurde die Produktion auf Rüstungsprodukte wie Artilleriegeräte, Zielvorrichtungen und Funkausrüstungen umgestellt.

1945 ging das Unternehmen, dessen Fabrikanlagen weitesgehend zerstört waren, in den Besitz der staatlichen Industrieholding IRI (Istituto per la Ricostruzione Industriale) über. Marcello Ducati und Bruno gründeten in Mailand neue Firmen, Adriano Ducati ging in die USA, wo er im Team von Wernher von Braun am Raumfahrtprogramm der NASA mitarbeitete. 1946 entstanden die ersten Hilfsmotoren für Fahrräder (Cucciolo), daneben produzierte die Firma in dieser Zeit auch eine Taschenkamera. Das erste Leichtmotorrad, die Ducati 60 Sport, kam 1950 auf den Markt. 1952 folgten Motorroller mit 4-Takt-Motoren (Ducati Cruiser), die sich jedoch gegen die starke Konkurrenz von Piaggio/Vespa und Lambretta nicht durchsetzen konnten.

1953 wurde Ducati in zwei Firmen aufgeteilt: Ducati Meccanica S.p.A. und Ducati Elettronica S.p.A. Im gleichen Jahr richtete man eine Rennabteilung ein, die schon kurze Zeit später auf vielen europäischen Rennstrecken Erfolge feiern konnte. Ab 1957 etablierte sich Ducati auch in höheren Hubraumklassen und in den 1960er Jahren gehörte die Firma bereits zu den führenden italienischen Motorradherstellern, die auch in anderen Ländern Europas Fuß fassen konnte. Andererseits verdiente Ducati mit seinen Industriemotoren zeitweise mehr Geld als mit den Motorrädern. In den 1980er Jahren gab es sogar Überlegungen, den Motorradbau zugunsten der Motoren ganz einzustellen.

1983 kam es zu einer Kooperation mit Cagiva, einem weiteren italienischen Motorradhersteller, wobei Cagiva die Rahmen und Ducati die Motoren fertigte. 1985 übernahm Cagiva Ducati ganz und führte die Ducati-Produktion weiter. In den 1990er Jahren war Ducati außerordentlich erfolgreich im Motorsport (acht Titel in der Superbike-WM). 1992 erwarb Cagiva den Markenamen MV-Agusta, der seit Jahren nicht mehr genutzt worden war; die frühere Herstellerfirma Agusta produzierte nur noch Hubschrauber. 1997 benannte sich Cagiva in MV-Agusta Motor S.p.A. um. Zu dieser Zeit befand sich das Unternehmen in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, was zum Verkauf von Ducati an die US-Beteiligungsgesellschaft Texas-Pacific Group (TPG) führte. 1999 wurde Ducati an der Mailänder und New Yorker Börse gelistet. 2005 übernahm die vor allem Südeuropa tätige Investindustrial Holdings S.A. (Luxemburg) die TPG-Anteile an der Ducati Motor Holding S.p.A. (Bologna). Seit 2012 gehört Ducati zur Audi AG.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:50