Markenlexikon

Dior

Frankreich

Christian Dior (1905 – 1957) besuchte zunächst eine Diplomatenschule und studierte Komposition. 1928 eröffnete er in Paris eine kleine Kunstgalerie, die jedoch während der Weltwirtschaftskrise 1929 wieder geschlossen werden musste. In den 1930er Jahren arbeitete er als Hut- und Mode-Designer für Robert Piguet und Lucien Lelong. Mit finanzieller Hilfe des Stoff-Fabrikanten Marcel Boussac (1889 – 1980) gründete Dior 1947 in Paris sein eigenes Haute-Couture-Haus. Berühmt wurde der Designer bereits mit seiner ersten Kollektion, der Glockenblumen-Linie (Ligne Corolle), die nach der Modezeitschrift »Look« auch »New Look« genannt wurde. Weite wadenlangen Röcke, auf Figur geschnittene Kleideroberteile und tiefe Ausschnitte beinflussten die Damenmode der 1950er Jahre nachhaltig. Bald darauf eröffnete Dior Niederlassungen und Boutiquen in Metropolen wie New York, London, Havanna und Mexico City. Auch seine folgenden Kollektionen, die Namen wie »Tulpenlinie« (1953), »H-Linie« (1954) oder »A-Linie« (1955) trugen, waren international erfolgreich. 1947 brachte das Unternehmen sein erstes Parfum auf den Markt (Miss Dior); Hersteller war die Kosmetikfirma Coty, die sich auch an der neugegründeten Tochterfirma Christian Dior Parfums beteiligte. Ab 1950 vergab Dior Lizenzen für zahlreiche Accessoires (u.a. Krawatten, Pelze, Hüte, Handtaschen, Handschuhe, Schmuck, Uhren, Unterwäsche, Strümpfe, Schals, Schuhe, Lippenstifte, Brillen).

Nach dem Tod des Gründers 1957 wurde der damals 21-jährige Yves Saint Laurent (1936 – 2008), der seit 1955 bei Dior arbeitete, für kurze Zeit Chef-Designer des Hauses. Seinen ersten großen Erfolg feierte er 1958 mit der Ligne Trapéze (Trapezlinie), die sich von Diors »New Look« abwandte und auf die einengenden Versteifungen an Taille, Brust und Schultern verzichtete. Mit dem avantgardistischen »Beat Look« (1960), der Alltagsbekleidung und Haute Couture miteinander vermischte, überforderte er jedoch nicht nur Dior-Chef Boussac sondern zum Teil auch die Kundschaft. Nachdem er 1960 zum Militärdienst nach Algerien eingezogen worden war, wo damals gerade der Algerien-Krieg tobte, engagierte man Marc Bohan als neuen Chef-Designer, der zuvor in der Londoner Dior-Niederlassung tätig gewesen war (Yves Saint Laurent gründete 1961 sein eigenes Modehaus).

1968/1969 beteiligte sich der Champagner-Hersteller Moët & Chandon mit 50 Prozent an Christian Dior Parfums und 1978, als der Textilkonzern Boussac/Dior Pleite machte, erwarb das seit 1971 als Moët-Hennessy firmierende Unternehmen auch den Rest der Parfum-Firma. Der Textilbereich wurde zunächst von der Agache Willot Group übernommen und 1984 von dem Immobilienhändler Bernard Jean Etienne Arnault. 1988 erwarb Arnault 32 Prozent des erst ein Jahr zuvor entstandenen Luxusgüterkonzerns LVMH Moët Hennessy Louis Vuitton S.A., dem die Kosmetikmarke Dior gehörte. 1989 wurde der Italiener Gianfranco Ferré, der eine eigene Modefirma in Mailand betreibt, künstlerischer Leiter bei Dior. Ihm folgte 1997 der zuvor bei Givenchy tätige Brite John Galliano, der seit 1984 ebenfalls ein eigenes Label besitzt. Christian Dior betreibt rund 230 Geschäfte weltweit. Die Christian Dior S.A., die sich mehrheitlich im Besitz der Groupe Arnault befindet (72 Prozent), ist mit einer Beteiligung von 42 Prozent auch LVMH-Hauptaktionär; weitere 47 Prozent der LVMH-Aktien befinden sich im Besitz der Groupe Arnault.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:50