Markenlexikon

Diners Club

USA

Die erste Kreditkarte wurde 1914 von der Telegrafengesellschaft Western Union, die sich seit der Einführung des Telefons auf die Übermittlung von Geldanweisungen und Telegrammen spezialisiert hatte, herausgegeben. Besonders vertrauenswürdige Kunden des Unternehmens konnten mit diesem Metallplättchen bargeldlos bezahlen und erhielten gelegentlich auch Kredit, das heißt, die Rechnungen durften mit einer bestimmten Zeitverzögerung oder in Raten bezahlt werden. Das Beispiel machte schnell Schule. Bald gaben auch andere Industrieunternehmen für ihre Mitarbeiter und Kunden eigene Karten heraus. Diesen frühen Kundenkreditkarten war jedoch eines gemeinsam: man konnte mit ihnen nur die Produkte oder Dienstleistungen eines Unternehmens bezahlen (meist Kaufhäuser, Tankstellen, Restaurants, Hotels).

Die erste universeller einsetzbare Kreditkarte kam im Februar 1950 auf den Markt. Die Idee dazu hatten die beiden New Yorker Geschäftsleute Frank McNamara und Ralph Schneider. Ihr Presseagent Matty Simmons, damals gerade 23 Jahre alt, erfand dann die schöne Geschichte von dem ausgiebigen Restaurantbesuch in New Yorks Major's Cabin Grill, wo McNamara und Schneider die Rechnung nicht bezahlen konnten, weil sie ihr Geld vergessen hatten. Dabei soll ihnen der Geistesblitz gekommen sein, eine Kreditkarte zu etablieren, mit der man in möglichst vielen Restaurants ohne Bargeld bezahlen konnte (desewegen auch der Name Diners Club). Anfangs mussten die teilnehmenden Restaurants 7 Prozent der jeweiligen Betragssumme an Diners Club zahlen, die Kunden wurden mit einer Jahresgebühr von 5 Dollar zur Kasse gebeten. Der Kredit galt maximal einen Monat lang. Doch im ersten Jahr konnten gerade einmal zweihundert Karten unter die Leute gebracht werden. Für viele Amerikaner, die die Weltwirtschaftskrise und Geldnot miterlebt hatten, war es damals undenkbar sich zu verschulden; selbst Kredite bei einer Bank nahm man nur dann auf, wenn es gar nicht anders ging. Erst 1951, als der Kaufhauserbe Alfred Bloomingdale bei Diners Club als Finanzier einstieg, ging es rasant aufwärts. Denn was Bloomingdale in New York vormachte, wurde von vielen Einzelhändlern, Hotels und Restaurants einfach nachgeahmt. Alfred Bloomingdale hatte zur gleichen Zeit in Los Angeles ebenfalls eine ähnliche Kreditkarte auf den Markt gebracht (Dine & Sign), die er nun mit der Diners-Club-Card vereinigte. Ende 1952 verkaufte McNamara seine Firmenanteile an Bloomingdale und setzte sich anschließend zur Ruhe.

Bald legten die Amerikaner auch die Scheu vor Krediten ab und begannen – angestachelt von der Konsumgüterindustrie, den Banken und den Kreditkartenunternehmen – sich zu verschulden, was die Karten hergaben. Die erfolgreiche Einführung der Diners-Club-Karte zog eine ganze Reihe ähnlicher Kreditkarten nach sich, u.a. American Express, Carte Blanche (Hilton), MasterCharge/MasterCard und BankAmericard/Visa, die sich nicht mehr nur an wohlhabende Geschäftsleute richteten, sondern auch an den Normalverbraucher. Diners Club indes blieb, wie auch American Express, immer eine gehobene Karte ohne offizielles Ausgabenlimit, die vor allem bei Geschäftsreisenden beliebt war und ist. Diners-Club-Mitglieder haben beispielsweise kostenlosen Zutritt zu zahlreichen internationalen Flughafen-Lounges.

1981 wurde Diners Club von dem Finanzkonzern Citicorp (Citibank) übernommen. Im Frühjahr 2008 schloss sich Diners Club International mit der US-Kreditkartengesellschaft Discover Financial Services zusammen und ein Jahr später verkaufte die Citigroup Diners Club an die Bank of Montreal.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:50