Markenlexikon

Converse

USA

Marquis Mills Converse (1861 – 1930) konnte seinen Stammbaum bis auf den englischen König Edward III., der von 1327 bis 1377 regierte, zurückverfolgen. Edward Converse, ein weiterer Vorfahre, kam 1630 mit den Puritanern nach Massachusetts. Marquis Converse arbeitete zunächst bei der Passumpsic Railroad Company in Sherbrooke und ab 1880 in einem Warenhaus in Boston. 1887 erwarb er ein Kurzwarengeschäft in Lebanon/New Hampshire, das er 1890 wieder verkaufte. Anschließend kehrte er nach Boston zurück, wo er gemeinsam mit Luther Henry Pike eine Großhandelsfirma für Schuhe und Gummistiefel betrieb, die 1898 in seinen alleinigen Besitz überging. Kurz darauf wurde Converse Manager der Beacon Falls Rubber Shoe Company aus Beacon Falls/Connecticut, die später im U.S. Rubber/Uniroyal-Konzern aufging. 1908 gründete er in Malden/Massachusetts erneut eine eigene Firma, die Converse Rubber Shoe Company, die zunächst Gummistiefel herstellte.

Converse Boston
Converse Boston

1917 brachte Converse unter dem Markennamen All Star erstmals knöchelhohe Sportschuhe mit Gummisohlen und Leinenschaft (Canvas) auf den Markt. Diese Schuhe, die später als Sneaker (engl. Schleicher) bekannt wurden, weil sie im Gegensatz zu Schuhen mit Ledersohle kaum Laufgeräusche verursachten, waren um 1860 in England entwickelt worden. Kurz darauf gab es sie auch in den USA. Charles (Chuck) Taylor (1901 – 1969), ein junger Basketball-Star aus Columbus/Indiana, der ab 1921 in der Converse-Vertriebsabteilung arbeitete, machte diesen Schuh landesweit an Schulen und Universitäten, der Heimat vieler Basketball-Teams, bekannt. Zum Dank erhielt der All Star 1923 die offizielle Bezeichnung »Converse All Star Chuck Taylor«, woraus dann später die Kurzbezeichnung »Chucks« entstand. 1936, als Basketball erstmals olympische Disziplin war, trugen die Spieler der US-Mannschaft All Stars – und gewannen prompt die Goldmedaille.

Während des 2. Weltkriegs belieferte Converse die amerikanischen Streitkräfte mit »Chucks«, was den Bekanntheitsgrad noch weiter steigerte. In der Folgezeit wurde Converse der führende Hersteller von Basketball-Schuhen in den USA; so gut wie alle namhaften Spieler der NBA-Liga trugen ab 1949, als die National Basketball Association gegründet wurde, Chuck Taylors All Star-Schuhe. 1962 kam eine flache Variante auf den Markt (Chuck Taylor All Star Oxford) und ab 1966 gab es die Schuhe erstmals in sieben verschiedenen Farben (zuvor nur in Schwarz und Weiß). In dieser Zeit hielt das Unternehmen einen Marktanteil von neunzig Prozent. Auch außerhalb der Sportplätze waren die Converse-Basketballschuhe beliebt; die Greaser und Rockabilly-Fans trugen sie in den 1950er Jahren, ebsonso Hollywood-Star James Dean und Elvis Presley, in den 1970er Jahren waren sie bei Punk-Rockern wie den Ramones angesagt und in den 1990er Jahren bei Rappern und den Anhängern des Grunge-Musikstils (Nirvana). Obwohl es auch zahlreiche andere Firmen gab, die ähnliche Schuhe herstellten, wurden die »Chucks« in Nordamerika für Jahrzehnte zum Inbegriff des Sneakers. Der All Star ist bis heute der am meisten verkaufte Sportschuh der Welt (über eine Milliarde Exemplare).

Converse All Star
Converse All Star

Anfang der 1970er Jahre produzierte Converse nicht mehr nur Sportschuhe und Sportartikel für verschiedene Sportarten, sondern auch zahlreiche Industrieprodukte aus Gummi, Plastik, Textilien, Papier oder Leder. Vorausgegangen waren dieser Expansion mehrere Firmenübernahmen. 1972 verkaufte die Stone-Familie aus Bosten, der das Unternehmen seit 1933 gehörte, Converse an den New Yorker Mischkonzern Eltra Corporation. In dieser Zeit bekam Converse zunehmend Konkurrenz von ausländischen Unternehmen wie Adidas, Puma oder Reebok, die mit ihren qualitativ hochwertigeren Lederschuhen allmählich auf dem US-Markt Fuß fassten. 1979 wurde Eltra von der Allied Chemical Corporation (später AlliedSignal) übernommen, die die Sportatikelsparte 1982 an die Manager Richard B. Loynd (Allied/Eltra) und John P. O’Neil (Converse) verkaufte. Sie brachten Converse 1983 als selbstständiges Unternehmen an die Technologiebörse NASDAQ. Bereits 1986 trat mit der Interco wieder ein neuer Eigentümer auf den Plan. Hinter Interco verbarg sich die frühere International Shoe Company, die inzwischen aus den drei Bereichen Schuhe, Einzelhandel und Möbelherstellung bestand. Interco musste jedoch 1991 Gläubigerschutz beantragen, was zur anschließenden Aufteilung des Unternehmens führte. Converse wurde im November 1994 erneut als selbstständiges Unternehmen an der Börse gelistet, diesmal an der New York Stock Exchange. Anfang 2001 musste Converse selbst Gläubigerschutz beantragen, was zur Schließung aller noch existierenden Werke führte (Lumberton/North Carolina, Mission/Texas, Reynosa/Mexiko). 2003 übernahm Nike die Reste von Converse. Hergestellt werden die Converse-Schuhe nun in China, Indonesien und Vietnam.

Text: Toralf Czartowski | Foto(s): Pixabay

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:50