Markenlexikon

Continental

Deutschland

Der Hannoveraner Bankier Moritz Magnus kaufte 1871 die zwei Jahre zuvor in Konkurs gegangene Neue Hannoversche Gummi-Warenfabrik und benannte sie in Continental Caoutchouc- & Gutta-Percha Compagnie Aktiengesellschaft um (ab 1929 Continental Gummi-Werke AG, ab 1987 Continental AG). Zunächst produzierte die Firma Gummibälle, Schläuche, Dichtungen, gummierte Stoffe und Massivbereifungen für Fahrrad- und Kutschenräder. Produkte wie Hufpuffer und Kutschenräder führten 1882 dazu, dass man fortan ein springendes Pferd als Logo verwendete. 1892 brachte Continental als erste deutsche Firma Luftreifen für Fahrräder auf den Markt. 1898 kamen profillose Autoreifen hinzu, 1904 Profilreifen und später wurde das Sortiment um stoß- und lärmdämpfende Motorlagerungen, Transportbänder, Kunststoffprodukte und technische Schläuche erweitert. 1943 erhielt Continental das Patent auf einen schlauchlosen Reifen; auf den Markt kamen diese neuartigen Reifen jedoch erst Mitte der 1950er Jahre.

Ab Ende der 1970er Jahre erwarb Continental zahlreiche internationale Reifenhersteller, u.a. 1979 die europäischen Reifenaktivitäten des US-Unternehmens Uniroyal mit den Marken Uniroyal und Englebert (die Uniroyal-Goodrich Tire Company gehört seit 1990 zu Michelin), 1985 die Reifensparte der österreichischen Semperit AG, 1987 General Tire aus Akron/Ohio, 1992 den schwedischen Reifenhersteller Nivis Tyre (Gislaved, Viking) und, 1993 Mabor (Portugal) sowie Barum (Tschechische Republik). 1991 wurde der Bereich »Technische Produkte« verselbstständigt (ContiTech).

1993 schlug ein feindlicher Übernahmeversuch durch den italienischen Konkurrenten Pirelli fehl, nachdem deutsche Unternehmen (Allianz, BMW, Daimler-Benz, Deutsche Bank, NordLB, VW) dem Reifenhersteller zu Hilfe gekommen waren und eine Sperrminorität von 25 Prozent erworben hatten. Am Zustandekommen der Bietergemeinschaft war auch der damalige niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder beteiligt.

Seit Ende der 1990er Jahre wandelte sich Continental durch zahlreiche Übernahmen (1998 ITT Automative Brake and Chassis/Alfred Teves, 2001 Temic, 2004 Phoenix, 2006 Motorola Automobilelektronik, 2007 Siemens-VDO Automotive) vom reinen Gummi- und Reifenhersteller zu einem Anbieter von kompletten Fahrzeugsystemen (Antriebstechnik, Bremssysteme, Fahrwerksysteme, Fahrzeugsicherheitssysteme, Formteile, Getriebesteuerung, Hybrid-Antriebe, Insassenschutz, Keilriemen, Komfortelektronik, Motor-Management, Reifen, Schläuche). 2008 übernahm die Schaeffler Gruppe (INA, FAG, LuK) aus Herzogenaurach (Bayern) die Mehrheit der Continental AG.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:50