Markenlexikon

Cinzano

Iatlien

Die seit dem 16. Jahrhundert in Turin ansässige Cinzano-Familie erhielt 1707 das Recht, Wein herzustellen. 1757 gründeten die Brüder Carlo Stefano und Giovanni Giacomo Cinzano die heutige Firma in Pecetto, einem Dorf in der Nähe von Turin. Hergestellt wurden zunächst Schaumweine und später vor allem Wermut. Als Erfinder des Wermuts (ital. Vermouth) gilt Antonio Benedetto Carpano, der 1786 erstmals diese Mischung aus weißem oder rotem Piemontwein und Kräuterextrakten, vor allem Wermutkraut, das dem Getränk seinen Namen gab, in seinem Likörgeschäft verkaufte. Wermutkraut (Artemisia absinthium) enthält den Bitterstoff Absinthin, der auch in vielen Anis-Sprituosen (Anisados, Ouzo, Pernod, Raki) enthalten ist.

Cinzano entwickelte sich neben Martini bald zum führenden italienischen Wermuthersteller, u.a. war die Firma lange Zeit Hoflieferant des Hauses Savoyen, das damals über Savoyen und Piemont herrschte und von 1861 bis 1946 die Könige Italiens stellte, sowie des Kaiserhofs in Wien. 1840 beauftragte König Carlo Alberto, der König von Sardinien und Herzog von Savoyen, die Cinzano-Brüder mit der Entwicklung eines italienischen Champagners, der mit dem international bekannten französischen Champagner konkurrieren konnte. Auf dem königlichen Anwesen in Santa Vittoria d’Alba wurde 1863 extra eine eigene Produktionsstätte in Betrieb genommen, die Cinzano später kaufte. Zur gleichen Zeit enstand eine weitere Fabrik in Santo Stefano Belbo und 1902 nahm Cinzano die erste Auslandsfabrik in Chambéry (Frankreich) in Betrieb. Als um die Jahrhundertwende tausende Italiener nach Nord- und Südamerika auswanderten, begann Cinzano in den 1890er Jahren mit dem Export seines Wermuts nach Argentinien, Brasilien und in die USA.

Um ihr Produkte und Marke einer breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen, betrieb die Firma schon früh (ab 1887) umfangreiche Produkt- und Imagewerbung (Anzeigen, Plakate, Sport-Sponsoring, Werbekarten), die jahrzehntelang von bekannten Grafikern und Illustratoren gestaltet wurde (u.a. Leonetto Cappiello, Eugenio Colmo Golia, Mario Gross, Nico Edel, Ugo Nespolo, Guido Crepax, Adolf Hohenstein). 1925 führte Cinzano das noch heute gebräuchliche rot-blau-weiße Logo ein.

1992 verkaufte die Cinzano-Familie ihr Unternehmen an den britischen Mischkonzern Grand Metropolitan (Baileys, Bombay Gin, Gilbeys, Malibu, Metaxa, Smirnoff), der sich 1997 mit der Guinnes-Brauerei (Dimple, Gordon's, Guinness, Johnnie Walker) zum Diageo-Konzern zusammenschloss. Infolge der Fusion und verschiedener Auflagen der europäischen Wettbewerbsbehörden veräußerte Diageo Cinzano 1999 an die italienische Campari-Gruppe. Neben den Wermut-Sorten (Cinzano Bianco, Cinzano Rosso, Cinzano Extra Dry, Cinzano Rosé, Cinzano Limetto, Cinzano Orancio) produziert die Firma auch weiterhin verschiedene Schaumweine (Asti D.O.C.G. Cinzano, Brachetto d’Acqui D.O.C.G., Cinzano Pinot Chardonnay, Cinzano Prosecco Cinzano Gransec, Cinzano Rosé, Gran Cinzano).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:50