Markenlexikon

Casio

Japan

Tadao Kashio (1917 – 1993), ein gelernter Dreher, gründete 1946 in Tokyo die Firma Kashio Seisakusho (Kashio Werke), die zunächst Kleinteile für die Flugzeugindustrie herstellte, aber auch Komponenten für Mikroskope und Getriebe. Das erste erfolgreiche Consumer-Produkt war die sogenannte Yubiwa Pipe, ein Fingerring, in den Raucher ihre qualmende Zigarette stecken konnten, sodass sie beide Hände für die Arbeit frei hatten. Nachdem Tadao und seine drei jüngeren Brüder Toshio, Kazuo und Yukio, die inzwischen ebenfalls in der Firma arbeiteten, 1949 auf einer Austellung in Tokyo eine elektrische Rechenmaschinen aus ausländischer Produktion gesehen hatten, beschlossen sie, das mit der Yubiwa Pipe verdiente Geld in die Entwicklung eines eigenen Modells zu stecken. Zu dieser Zeit gab es in Japan ausschließlich mechanische Rechenmaschinen, die über Getriebe und Handkurbeln betrieben wurden.

Nach rund sechsjähriger Entwicklungszeit stellten die Kashio-Brüder der Öffentlichkeit ihre erste relaisgesteuerte Rechenmaschine vor. Zur Produktion und Vermarktung gründeten sie 1957 die Casio Computer Company (Casio ist die anglisierte Form von Kashio). Der Verkauf der Relaisrechner lief anfangs sehr gut, doch schon bald kamen in den USA die ersten transistorgesteuerten Tischrechner auf den Markt. Sie waren nicht nur schneller, sondern so klein, dass sie auf einem Schreibtisch Platz fanden. 1965 brachte auch Casio ein solches Gerät heraus. Der nächste Schritt waren die noch heute üblichen batteriebetriebenen Taschenrechner mit Leuchtdiodenanzeige LED (Light Emitting Diode) oder Flüssigkeitskristallanzeige LCD (Liquid Crystal Display). Auch sie waren zunächst in den USA entwickelt worden (1967 von Texas Instruments), ebenso die grundsätzlichen Technologien wie der Transistor (1947 von William Shockley, John Bardeen und Walter Brattain in den AT&T/Bell Laboratories), die Integrierte Schaltung (1958 von Jack Kilby bei Texas Instruments), die Light Emitting Diode (1962 von Nick Holonayk an der University of Illinois) und der Mikroprozessor (1968 von Gary Boone bei Texas Instruments). Doch im Gegensatz zu den US-Firmen, die diese Geräte herstellten (Commodore, Hewlett-Packard, Texas Instruments), glänzten die japanischen Hersteller Canon, Sharp und Casio mit billigen Preisen. Die japanischen Geräte kosteten auf dem US-Markt nur rund 100 Dollar, die amerikanischen um die 150, teilweise auch bis zu 350 Dollar.

Vor allem der für den Massenmarkt konzipierte Casio Mini von 1972 machte den Namen Casio international bekannt. Innerhalb eines Jahres konnte Casio weltweit zehn Millionen dieser Geräte verkaufen. Der Casio Pocket von 1975 war der erste Taschenrechner von Casio mit Flüssigkeitskristallanzeige, die 1971 von den Schweizer Unternehmen Hoffmann-La Roche und Brown Boveri & Cie. (BBC) entwickelt worden war. Die weiteren Stationen waren 1975 Digitaluhren (Casiotron), 1980 Home-Keyboards (Casiotone), 1995 Mobiltelefone und Digitalkameras sowie 1996 Handheld-Computer (Cassiopeia).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:50