Markenlexikon

Cagiva

Italien

Giovanni Castiglioni begann 1950 in Varese mit der Produktion von Metallwaren. Die Söhne des Gründers, Claudio und Gianfrancesco, erwarben 1978 ein Werk des ehemaligen Flugzeugherstellers Aeronautica Macchi (Aermacchi) in Schiranna am Lago Varese, das seit 1973 Harley-Davidson-Motorräder für den italienischen Markt herstellte. Die Motorräder, zumeist Renn- und Cross-Maschinen, bekamen den Markennamen Cagiva (Castiglioni Giovanni Varese). Daneben stellte Cagiva auch Serienmotorräder her und war weiterhin Generalvertreter für Harley-Davidson-Maschinen; die Produktion wurde jedoch nicht weitergeführt.

1983 kam es zu einer Kooperation mit Ducati, einem weiteren italienischen Motorradhersteller, der damals gerade den Motorradbau zugunsten der reinen Motorenfertigung einstellen wollte. Cagiva fertigte nun die Rahmen und Ducati lieferte die Motoren. 1985 übernahm Cagiva Ducati jedoch ganz und führte auch die Ducati-Motorradproduktion weiter.

1987 kaufte Cagiva vom schwedischen Electrolux-Konzern, dem Eigentümer des Unternehmens Husqvarna (Gartengeräte, Küchengeräte, Nähmaschinen, Motorräder), die Husqvarna-Motorradabteilung, die ebenfalls hauptsächlich Geländesport-Maschinen herstellte. Der Versuch, sich mit der Übernahme der Firma Moto Morini 1986 auch in den Bereichen Chopper und Tourer zu etablieren, blieb jedoch erfolglos; die Produktion wurde 1991 eingestellt.

1992 erwarb Cagiva den Markenamen MV-Agusta, der seit Jahren nicht mehr genutzt worden war. Die frühere Herstellerfirma Agusta produzierte nur noch Hubschrauber. 1997 benannte sich Cagiva in MV-Agusta Motor S.p.A. um. Zu dieser Zeit befand sich das Unternehmen in großen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, was zum Verkauf von Ducati führte. Die Motoren bezog MV-Agusta nun von Suzuki. 2001 beteiligte sich der Motorrad- und Flugzeughersteller Piaggio (Vespa, Gilera, Puch) mit 20 Prozent an MV-Agusta.

2004 erwarb der malaysische Autokonzern Proton, dem auch der britische Sportwagenhersteller Lotus gehört, die Mehrheit von MV-Agusta (57,75 Prozent); der Rest befand sich in der Hand der Familie Castiglioni (37,25), der Electrolux-Tochtergesellschaft Husqvarna AB (3 Prozent) und Massimo Tamburini (2 Prozent). Nachdem Proton wegen der Öffnung des malaysischen Marktes für ausländische Autohersteller selbst in finanzielle Schwiergkeiten geraten war, verkaufte der Konzern seine MV-Agusta-Anteile 2006 an die Investmentgesellschaft GEVI aus Genua. 2007 übernahm BMW die Marke Husqvarna. 2008 kehrte Harley-Davidson mit dem Kauf der MV-Agusta Group nach 30 Jahren wieder für kurze Zeit nach Varese zurück, doch bereits 2010, als die Amerikaner selbst mit Absatzschwierigkeiten zu kämpfen hatte, kaufte Claudio Castiglioni die Firma wieder zurück.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:50