Markenlexikon

Budweiser / Budweiser Budvar / Bud

Tschechien
USA

Budweiser Bier kommt eigentlich aus der südböhmischen Stadt Budweis (České Budějovice), wo bereits seit über 700 Jahren Bier gebraut wird. Dass die Marke Budweiser heute zwei Brauereien gehört, liegt daran, dass ein Bayer in der »Neuen Welt« nicht auf sein geliebtes »Grundnahrungsmittel« verzichten wollte. 1857 wanderte Adolphus Busch (1839 – 1913) nach Amerika aus, heiratete dort 1861 Lilly Anheuser und begann 1864 in der Bavarian Brewery in St. Louis/Missouri, die seinem Schwiegervater Eberhard Anheuser (1805 – 1880) – ebenfalls ein deutscher Auswanderer – gehörte, zunächst als Verkäufer und Manager zu arbeiten. Die Bavarian Brewery war 1852 von Georg Schneider gegründet und 1860 von dem früheren Seifen- und Kerzenmacher Anheuser gekauft worden. 1869 wurde Busch Teilhaber der Brauerei. Da dort anscheinend niemand so recht wusste, wie man anständiges Bier braut, importierten die bayerischen Brauer aus Missouri in den frühen 1870er Jahren kurzerhand mehrere deutsche und tschechische Biere zu Test- und Untersuchungszwecken, u.a. Mestansky Pivovar (Bürgerbräu; das spätere Pilsner Urquell), ein Bier des Bürgerlichen Brauhauses aus Budweis, Michelob aus Měcholupy und Liebotschaner Bier aus Libočany. Hinter das tiefere Geheimnis des Bierbrauens kamen sie dadurch zwar auch nicht, aber wenigstens hatten sie nun zwei neue Namen: Budweiser (seit 1876) und Michelob (seit 1896). 1879 benannte sich die Brauerei E. Anheuser & Co. in Anheuser-Busch Brewing Association um.

Als die 1895 auf Initiative des Budweiser Politikers August Zátka (1847 – 1935) gegründete Tschechische Aktien-Brauerei (Český akciový pivovar) 1906 auch den US-Markt erobern wollten, staunten die Vertreter aus Budweis nicht schlecht, dass es ihr Bier dort schon gab. Letztlich blieb den beiden Brauereien nichts anderes übrig, als sich zähneknirschend zu einigen. Ein erster Vertrag über die weltweiten Einfluss-Sphären kam 1911 zustande. 1930 führte die tschechische Brauerei für ihr Export-Lagerbier den neuen Markennamen Budvar (BUDějovický PivoVAR = Budweiser Brauerei) ein, und 1939 verzichteten die Tschechen schließlich auf ihre Markenrechte in Nord- und Mittelamerika, wo der Anheuser-Busch-Konzern sein Budweiser nun uneingeschränkt verkaufen konnte. In den meisten anderen Staaten der Welt besitzt die tschechische Brauerei die Schutzrechte an den Namen Budweiser, Bud, Budbräu und Budweiser Budvar (Budějovický Budvar).

Trotzdem flammten die Streitigkeiten immer mal wieder auf, vor allem weil Anheuser-Busch gelegentlich versucht, sein Budweiser auch außerhalb Nord- und Mittelamerikas zu verkaufen. Anfang der 1990er Jahre wollten die Amerikaner die tschechische Staatsbrauerei, die offiziell Budějovický Budvar národní podnik heißt, sogar kaufen, was jedoch am Eigentümer, dem tschechischen Landwirtschaftsministerium, scheiterte.

2008 wurde Anheuser-Busch selbst Opfer einer Übernahme: der belgischen Brauereikonzern InBev aus Leuven, dem Marken wie Antarctica, Beck's, Brahma, Bass Ale, Diebels, Labatt, Leffe, Staropramen und Stella Artois gehörten, übernahm den Riesen aus St. Louis.

InBev entstand aus dem Zusammenschluss verschiedener europäischer und südamerikanischer Brauereien über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten. Am Anfang stand eine 1366 im belgischen Löwen (Leuven) gegründete Brauerei, die 1717 von dem Braumeister Sébastien (Sebastianus) Artois übernommen wurde. Sébastien's Sohn Adriaan und sein Neffe Leonard bauten Artois zur führenden Brauerei Belgiens aus. Artois übernahm im Laufe der Jahre zahlreiche Brauereien in Belgien, den Niederlanden und Frankreich, u.a. 1952 die frühere Klosterbrauerei Leffe (Kloster Notre-Dame de Leffe), 1968 Dommelsch und 1970 Motte Cordonier. 1987 kam es schließlich zum Zusammenschluss mit einer weiteren großen belgischen Brauerei, der 1812 von Jean Théodore Piedboeuf (1804 – 1875) gegründeten Brasserie Piedboeuf aus Jupille-sur-Meuse bei Lüttich. Das fusionierte Unternehmen nannte sich Interbrew N.V./S.A. (Löwen). Anschließend expandierte Interbrew mit dem Erwerb regional starker Brauereien (u.a. 1995 Labatt/Kanada, 2000 Bass-Charrington/Großbritannien und Staropramen/Tschechien, 2001 Beck & Co./Deutschland, 2002 Diebels/Deutschland, 2003 Gilde/Hasseröder/Wolters/Deutschland, Spaten-Löwenbräu/Deutschland). 2004 schloss sich Interbrew mit der brasilianischen Brauerei-Gruppe AmBev (Antarctica, Brahma, Skol) zusammen. Der neue Konzern firmierte als InBev N.V./S.A. und hatte seinen Sitz ebenfalls in Löwen.

AmBev war 1999 aus dem Zusammenschluss der brasilianischen Brauereien von Brahma (inkl. Cervejarias Reunidas Skol-Caracu) und Companhia Antarctica Paulista zur American Beverage Company (AmBev) bzw. Companhia de Bebidas das Américas in Brasilien und Compania de Bebidas de las Américas im spanisch sprechenden Teil Lateinamerikas entstanden.

2009 entschied der Europäische Gerichtshof, dass die Marke Budweiser in der Europäischen Union alleine der tschechischen Brauerei gehört; eine Klage gegen dieses Urteil wies das EU-Gericht 2010 ab. Geschmacklich haben beide Biere wenig miteinander zu tun. Budweiser Budvar ist ein süffiges, mildes und gut gehopftes Premium-Lagerbier, das amerikanische Budweiser, ebenfalls ein Lagerbier, schmeckt süßer, wässriger und hat einen geringeren Alkoholgehalt, außerdem enthält es neben den üblichen Bierzutaten auch Reis. Von beiden Brauereien gibt es zahlreiche weitere Budweiser-Varianten: Budvar bietet neben dem Premium Lager auch noch helles Schankbier, dunkles Lagerbier, alkoholfreies Bier, helles Starkbier und Hefelagerbier an, die Budweiser-Markenfamilie von Anheuser-Busch umfasst u.a. Budweiser, Budweiser Select, Bud Light, Bud Dry, Bud Ice und Bud Ice Light. Das amerikanische Unternehmen, das nun als ABInbev S.A./N.V. firmiert, verkauft eine in Spanien gebraute Budweiser-Variante in Europa als Anheuser-Busch Bud (zeitweise auch als Anheuser-Busch B), die Tschechen verwenden seit 2002 in Nord-, Mittel- und Südamerika die Marke Czechvar. In Großbritannien und Irland sind beide Brauereien mit ihren jeweiligen Marken vertreten, in Deutschland und Österreich gibt es nur das tschechische Budweiser. Seit 2007 ist Anheuser-Busch offizieller US-Importeur des Czechvar-Bieres.

Das 1795 gegründete Bürgerliche Brauhaus Budweis (seit 2001 Budějovický měšťanský pivovar a.s. = Budweiser Bürgerbrauerei AG), das seit Ende 2011 Anheuser-Busch gehört, besitzt ebenfalls Rechte an der Marke Budweiser (Budějovické pivo, Budweiser Bier, Budweis Beer, Bière de Budweis, B.B. Budweiser Bier, 1795 Budweiser Bier, Samson Budweiser Bier, Pito Budweiser Bier, Dianello Budweiser Bier).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:49