Markenlexikon

BlackBerry

Kanada

Der 1961 in Istanbul geborene Mihal (Mike) Lazaridis wanderte im Alter von fünf Jahren mit seinen griechischstämmigen Eltern nach Windsor (Kanada) aus. Die Stadt liegt am Detroit River, direkt gegenüber der Autometropole Detroit, wo sein Vater zunächst bei Chrysler arbeitete. Lazaridis Junior, der bereits mit zwölf Jahren einen Preis dafür gewann, weil er jedes Physikbuch der Stadtbibliothek gelesen hatte, entwickelte schon früh einen ausgeprägten Erfinder- und Unternehmergeist. Während seiner Highschool-Zeit in Windsor verkaufte er beispielsweise einen selbstentwickelten Buzzer (Signalgeber, der einen Summton erzeugt) für ein populäres Schulquizspiel an zahlreiche Schulen der Stadt. Ab 1979 studierte er an der Universität von Waterloo/Ontario Elektrotechnik und Informatik. Kurz vor Beendigung seines Studiums gewann er eine Ausschreibung zur Entwicklung von elektronischen LED-Anzeigetafeln für die Werkshallen von General Motors. Kurz entschlossen brach er sein Studium ab und gründete gemeinsam mit seinem Jugendfreund Douglas Fregin, der ebenfalls in Waterloo studierte, die Firma Research in Motion Limited (RIM); das Startkapital in Höhe von 15.000 Dollar steuerten seine Eltern bei. Kurz darauf kam noch der Software-Ingenieur Mike Barnstijn als Partner hinzu.

Weitere Produkte aus der Anfangszeit waren u.a. 1990 der DigiSync Film KeyKode Reader, ein Strichcode-Lesesystem für den Filmschnitt (dafür erhielt Lazaridis einen Technik-Oscar und den Fernsehpreis Emmy), Software für kabellose E-Mail-Systeme, Funkmodems oder 1998 der Funkmeldeempfänger Inter@ctive Pager (auch als RIM 900 bekannt), mit dem z.B. Telefonnummern für einen Rückruf übermittelt werden konnten; direktes antworten war mit diesen Pagern allerdings nicht möglich.

Der Durchbruch gelang dem seit 1997 an der Börse von Toronto gelisteten Unternehmen 1999 mit einem mobilen Gerät, das in der Lage war per Push-Dienst E-Mails zu empfangen und zu versenden. Darüber hinaus besaß dieser Two-way pager auch einen Organizer und Internet-Zugang. Weil die Tastaturanordnung an eine Brombeere erinnerte, deren Früchte aus vielen kleinen Früchten zusammengesetzt sind, bekam das Gerät kurze Zeit später genau diesen Namen: BlackBerry. Das BlackBerry war und ist bis heute vor allem bei Geschäftsleuten beliebt, die nicht nur SMS-Nachrichten mit beschränktem Inhalt versenden oder empfangen wollen, sondern auch längere Nachrichten. Nachdem 2002 ein Mobiltelefon in das BlackBerry integriert worden war, schnellten die Nutzerzahlen explosionsartig in die Höhe. Zeitweise war das Gerät auch unter dem Spitznamen »Crackberry« bekannt (nach der Droge Crack), weil es bei seinen Besitzern – neben Geschäftsleuten auch zahlreiche Prominente – ein hohes Suchtpotential entfaltete. Inzwischen gehört RIM zu den weltweit führenden Herstellern von Mobiltelefonen und vor allem Smartphones (Mobiltelefon, E-Mail, SMS, MMS, Web-Browsing, Adressbuch, Kalender, Notizen, Aufgaben, Kamera etc.). Im Gegensatz zu anderen Smartphone-Herstellern stammt beim BlackBerry die gesamte Hardware, Software sowie die Client-Server-Architektur und das Übertragungsprotokoll von RIM. Dadurch werden E-Mails vom BlackBerry Enterprise Server (BES) mit der Schnelligkeit von SMS direkt auf das Endgerät übertragen. Zudem hält der BES die Datenmengen durch eine spezielle Übertragungstechnik sehr klein, sodass auch größere Dateien mit Anhängen schnell geöffnet werden können. Für diesen speziellen BlackBerry-Dienst muss allerdings eine Grundgebühr sowie eine zusätzliche Gebühr für das Datenvolumen gezahlt werden. 2010 brachte RIM einen Tablet-Computer auf den Markt (BlackBerry PlayBook).

Mit der Einführung von Apples iPhone (2007) und Googles Android-Betriebssystem (2008), das u.a. von Samsung, Sony, Motorola, HTC und Google Nexus verwendet wird, verloren die Geräte von BlackBerry jedoch schnell an Bedeutung. Nach einer Reihe von Fehlentscheidungen, Produktverspätungen, Gewinneinbrüchen und Marktanteilsverlusten traten die beiden Verstandschefs von RIM, Jim Balsillie und Mike Lazaridis, im Januar 2012 zurück. Mit dem BlackBerry Z10 (mit Touchscreen)/Q10 (mit Hardware-Tastatur) versuchte das Unternehmen, das seit 2013 BlackBarry Limited heißt, den Abwärtstrend zu stoppen. 2014 brachte BlackBerry erstmals eine Smartphone mit Android-System heraus (Priv).

Ende 2016 gab BlackBerry das Hardware-Geschäft an den chinesischen Telekom-Konzern TCL Communications ab, der die neuen Geräte im Rahmen eines Lizenzvertages weiterhin unter dem Markennamen BlackBerry verkaufen kann, während sich das Unternehmen BlackBerry nun der Entwicklung von Sicherheitslösungen für Unternehmen (u.a. für Autohersteller und Fahrzeugzulieferer) widmet.

Mike Lazaridis, der neben seiner Tätigkeit bei RIM auch Kanzler der University of Waterloo ist (Chancellor Emeritus), gründete 1999 in Waterloo das Perimeter Institute for Theoretical Physics, ein privates Forschungsinstitut, das sich mit den Grundlagen der theorethischen Physik beschäftigt.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:49