Markenlexikon

Bic

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Der amerikanische Gerbermeister John Loud erhielt 1888 das erste Patent auf einen Kugelschreiber. Dieser »Halter mit Kugelfeder zur Beschriftung rauer Oberflächen wie Kisten oder Pappen« wurde allerdings nie hergestellt. Die Erfindung geriet in Vergessenheit. Nicht viel anders erging es dem Patent eines Edward Lambert von 1891. Die frühen Erfinder scheiterten vor allem an der Tinte, die entweder die Austrittsöffnungen der Schreibgeräte verklebte oder aber ohne Halt auf dem Papier verfloss.

Erst in den 1930er Jahren entwickelten der ungarische Journalist und Verleger László József Bíró (1899 – 1985), sein Bruder Györgi, ein Chemiker, sowie Andor Goy von der Schreibmaschinenfirma Goy & Kovalszky in Budapest erneut einen Kugelschreiber. Kinder, die mit Murmeln spielten, sollen sie auf den zündenden Gedanken gebracht haben: Eine Murmel rollte durch eine Pfütze und hinterließ auf der Straße eine Wasserspur. Andererseits hatte László Bíró als Redakteur der Wochenzeitung Előre häufig in der Druckerei zu tun, wo die Rotationswalzen eine zähflüssige, schnelltrocknende Druckfarbe auf das Papier aufbrachten. Im April 1938 bekam László Bíró ein Patent auf sein neues Schreibgerät, das allerdings zu diesem Zeitpunkt noch keineswegs zufriedenstellend funktionierte. Vermarktet wurden die ersten Kugelschreiber unter dem Namen Go-Pen (nach der Herstellerfirma Goy & Kovalszky). Im Dezember 1938 mussten die Bírós aufgrund ihrer jüdischen Abstammung das nationalsozialistische Ungarn verlassen. Knapp zwei Jahre lebten und arbeitete sie in Paris, doch als 1940 deutsche Truppen in Frankreich einmarschierten, emigrierten die Brüder mit ihren Familien nach Argentinien und gründeten dort gemeinsam mit dem aus Deutschland stammenden Juan Jorge Meyne die Firma Biro-Meyne-Biro. Jahre zuvor, noch vor Ausbruch des 2. Weltkriegs, hatte Bíró den damaligen argentinischen Präsidenten Agustín Pedro Justo während eines Urlaubs in Zagreb kennengelernt und ihm seinen Kugelschreiber präsentiert. Der war von dem etwa 60 Zentimeter langen Schreibrohr begeistert gewesen und hatte dem Erfinder sogar angeboten, die Produktion in Argentinien anzusiedeln. Nun, da die Bírós tatsächlich in Argentinien lebten, wurden sie von höchster Seite unterstützt. Nach weiteren Verbesserungen und mit einer neuen Schreibpaste auf Ölbasis begann die neugegründete Aktiengesellschaft Eterpen S.A. in einem Werk in Buenos Aires mit der Massenproduktion der Kugelschreiber. Vermarktet wurden sie unter dem Namen Birome (Biro + Meyne).

Nachdem die britische Luftwaffe herausgefunden hatte, dass der Kugelschreiber bei niedrigem Luftdruck in großen Höhen nicht ausläuft wie ein Füllfederhalter, begann 1944 die Produktion in Europa, zunächst für die Piloten der Royal Air Force. Hersteller war die Miles Martin Pen Company, eine Tochtergesellschaft der Flugzeugfirma Miles Aircraft. Ab 1945 kam der Kugelschreiber auch in den USA in den Handel, hergestellt von einem Jointventure der Schreibgerätefirmen Eversharp und Eberhard Faber, das eine Eterpen-Lizenz besaß, und von der Reynolds International Pen Company, die die Lizenzgebühren mit einer eigenen Konstruktion umging. In Großbritannien begann Miles Martin in einem Werk in Reading ebenfalls noch 1945 mit der regulären Produktion.

Eine Lizenz für seinen Kugelschreiber vergab Bíró auch an den Franzosen Marcel Bich (1914 – 1994), Ex-Manager einer französischen Schreibwarenfirma, der 1945 gemeinsam mit Edouard Buffard in einer leerstehenden Fabrik in der Nähe von Paris die Firma Société Bic gründete (Bic ist eine besser klingende Version des Namens Bich). Der erste Bic-Kugelschreiber kam 1949 auf den Markt. Damit begann der Siegeszug des Kugelschreibers in Europa. Nachdem es die Firma in diesem Bereich zum europäischen Marktführer gebracht hatte, wandte man sich auch anderen Plastik-Produkten zu. 1972 kamen die bunten Wegwerffeuerzeuge auf den Markt, mit denen sich Millionen Raucher auf der ganzen Welt ihre Glimmstängel anzünden, 1976 folgten Einweg-Rasierer und 1981 Sportartikel wie Surfboards, Windsurfboards und Sportkajaks. Die meisten Produkte von Bic sind niedrigpreisige Wegwerfartikel. Daneben gehören dem Bic-Konzern, der seit 1972 an der Pariser Börse notiert ist, auch Marken wie Conté aus Frankreich (seit 1979; Malprodukte und Künstlerbedarf), Wite-Out aus den USA (seit 1992; Korrekturprodukte), Scheaffer aus den USA (seit 1997; hochwertige Schreibgeräte) und Tipp-Ex aus Deutschland (seit 1997; Korrekturprodukte). In einigen Ländern heißen Kugelschreiber bis heute Biro (Großbritannien, Italien), Biron (Frankreich) oder Birome (Argentinien).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:49