Markenlexikon

Beretta

Italien

Bereits als Christoph Columbus und seine Mannen die Bewohner der neuen Welt mit ihren Feuerrohren in Angst und Schrecken versetzten, fertigte Bartolomeo Beretta (1490 – 1565) seine ersten Gewehrläufe – anfangs noch für andere Waffenhersteller. Damit ist die Beretta-Waffenschmiede aus der norditalienischen Stadt Gardone Val Trompia (Brescia) eines der ältesten noch existierenden Unternehmen der Welt. Gegründet wurde das Unternehmen um 1526 – zumindest stammt aus diesem Jahr eine Rechnung für 135 Arkebusen-Läufe, die der Meister Bartolomeo Beretta dem Senat von Venedig stellte – und auch bezahlt bekam.

Beretta wurde bald zum größten Waffenlieferanten des damals recht einflussreichen Stadtstaates Venedig, der neben Genua und Florenz zu den wichtigsten südeuropäischen Handelszentren des Mittelalters zählte. Später rüstete Beretta die Armee Napoleons mit Gewehren aus und als dessen Feldzüge mit der Niederlage von Waterloo (1815) ein Ende nahmen, verlegten die Norditaliener ihre Produktion auf Jagdwaffen. Während der beiden Weltkriege machte Beretta mit Maschinengewehren wieder hervorragende Geschäfte. 1985 gelang Beretta das Kunststück, den Auftrag für die Ausrüstung der U.S. Army, der U.S. Navy und der U.S. Air Force mit Pistolen zu erhalten (Beretta 92 FS). Bis dahin wurden die amerikanischen Streitkräfte stets von der Waffenfabrik des Trommelrevolver-Erfinders Samuel Colt beliefert. Die Beretta 92, das Flagschiff des Unternehmens, wird auch von der italienischen Armee und Polizei verwendet, außerdem von der französischen und spanischen Polizei und der Polizei in über zwanzig US-Bundesstaaten. Weiterhin gehören die Armeen von Argentinien, Jordanien und Malaysia, aber auch Arnold Schwarzenegger oder George W. Bush zu den regelmäßigen Beretta-Kunden. Einige exklusive Beretta-Jagdgewehre kosten mit aufwändigen Gravuren bis zu 60.000 Euro.

Ab den 1990er Jahren erwarb Beretta mehrere in- und ausländische Waffen- und Zubehörhersteller, u.a. Luigi Franchi aus Brescia (1993), Benelli Armi aus Urbino (2000; eine frühere Tochterfirma des gleichnamigen italienischen Motorradherstellers), SAKO/Tikka aus Riihimäki/Finnland (2000), Stoeger Industries aus Accokeek/USA (2000), den Replika-Hersteller Aldo Uberti aus Gardone Val Trompia (2000) und Burris aus Greeley/USA (2002), einen Hersteller von Zielfernrohren, Ferngläsern, Entfernungsmessern und Spektiven. Die Fabbrica D'Armi Pietro Beretta, die unter verschiedenen Markennamen (Benelli, Beretta, Burris, Franchi, Sako, Stoeger, Tikka, Uberti) Pistolen, Maschinenpistolen, Sturmgewehre, Jagd- und Sportwaffen sowie Accessoires (Jagdbekleidung, Taschen, Schutzbrillen, Messer) herstellt, befindet sich bis heute im Besitz der Beretta-Familie.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:49