Markenlexikon

Beatrice

USA
Kanada

Beatrice war einer jener Mischkonzerne, die in den 1960er, 1970er und frühen 1980er Jahren speziell in den USA und Großbritannien groß in Mode waren (u.a. BAT Industries, Beatrice Companies, Borden, Gulf & Western, Hanson Trust, ITT Industries, Litton Industries, Loral, LTV, Reynolds Industries/RJR-Nabisco, W.R. Grace & Co.). Unter dem Dach dieser Konzerne waren teilweise hunderte Tochtergesellschaften aus den unterschiedlichsten Branchen versammelt. Der Gedanke dahinter war, konjunkturelle Schwankungen einzelner Branchen ausgleichen zu können. Allerdings stellte sich bald heraus, dass sich die Konzernmanager an der Spitze immer nur mit einigen wenigen Branchen wirklich gut auskannten. Zahlreiche fehlerhafte Entscheidungen innerhalb dieser nur schwer zu beherrschenden Konglomerate führten dazu, dass sie in den 1980er Jahren größtenteils Opfer von Corporate Raidern wurden, die zunächst die Aktienmehrheit erwarben und die Konzerne anschließend in ihre Einzelteile zerlegten und mit beträchtlichem Gewinn weiterverkauften.

Beatrice Foods wurde 1894 von George Everett Haskell (1864 – 1919) und William W. Bosworth aus den Resten der insolventen Fremont Butter and Egg Company gegründet. Beide waren zuvor bei Fremont in leitenden Positionen angestellt gewesen und hatten 1889 eine Niederlassung in Beatrice/Nebraska aufgebaut (in Beatrice hatte es bereits einige Jahre zuvor eine Beatrice Creamery Company gegeben, die aber zu diesem Zeitpunkt nicht mehr existierte). Dieses Werk übernahmen sie nun und gründeten eine neue Firma: Haskell & Bosworth (ab 1898 Beatrice Creamery Company, ab 1946 Beatrice Foods Company). Das Unternehmen produzierte u.a. Milch, Eier, Eiscreme, Käse und vor allem Butter, die bald landesweit verkauft wurde, ab 1905 unter dem Markennamen Meadow Gold, nachdem man zuvor die Continental Creamery Company aus Topeka/Kansas übernommen hatte, der die 1901 eingeführte Marke Meadow Gold gehörte. 1913 verlegte die Firma ihren Hauptsitz nach Chicago, damals eines der Zentren der US-Nahrungsmittelindustrie.

Die kinderreichen Nachkriegsjahre und die nun in großem Umfang benötigten Milchprodukte führten zu einem rasanten Wachstum der Beatrice Foods Company. Das so verdiente Geld investierte der Konzern in zahlreiche Unternehmen wie Airstream (1967; Wohnwagen), Avis (1984; Autovermietung), Beneke (1969; Badmöbel, Bad-Accessoires), Buckingham (1981; Spirituosen, Wein), Coca-Cola Bottling Company of Los Angeles (1981; Getränke), Comco Insurance (1973; Versicherung), Dannon Milk Products (1959; Milchprodukte), D.L. Clark (1955; Süßwaren), Esmark (1984; Mischkonzern), Harman/Kardon (1977; Unterhaltungselektronik), Hekman Furniture (1969; Möbel), Hunt-Wesson (1984; Nahrungsmittel), John Sexton & Co. (1968; Nahrungsmittel), LaChoy Food Products (1943; Nahrungsmittel), Melnor Manufacturing (1967; Garten- und Rasenpflege-Produkte), Modern Home Products (1967), Morgan Yacht (1968; Segelschiffe), Peter Eckrich & Sons (1972; Fleisch), International Playtex (1984; Bekleidung), Samsonite (1973; Koffer), Southwestern Insurance (1973; Versicherung), Stahl Chemical (1964; inkl. Polyvinyl Chemicals), Stiffel (1965; Lampen) und Tropicana Products (1978; Fruchtsäfte). Im Angesicht der vielen Tochtergesellschaften benannte sich der Konzern 1984 in Beatrice Companies Inc. um.

Die Übernahme des Mischkonzerns Esmark (1984), der 1973 aus dem Chicagoer Fleischkonzern Swift & Co. hervorgegangen war, und dem neben dem Fleischgeschäft auch Firmen wie Norton Simon (Avis, Canada Dry, Halston, Hunt Foods, Max Factor, McCall's Publishing), International Playtex und Vickers Petroleum gehörten, brachte den Beatrice-Konzern jedoch in eine finanzielle Schieflage.

1985 verkaufte Beatrice Cos. seine Chemiesparte Beatrice Chemical (Stahl Finish, Paule Chemical, Polyvinyl Chemical Industries, Converters Ink Company, Thoro System Products) an den britischen Chemiekonzern Imperial Chemical Industries (ICI).

1986 wurde Beatrice Cos. schließlich von der auf LBOs (Leveraged Buyout, fremdfinanzierte Übernahme) spezialisierte Firma KKR (Kohlberg Kravis Roberts & Co.) übernommen und innerhalb der nächsten vier Jahre in seine Einzelteile zerlegt.

Das Milchgeschäft, die Beatrice Dairy Products Inc. (Meadow Gold, Hotel Bar Butter, Keller's Butter, Mountain High Yogurt, Viva Milk Products), übernahm 1986 Borden, ebenfalls ein US-Nahrungsmittelkonzern. Avis ging 1986 an Wesray Capital, Coca-Cola Bottling an Coca-Cola Enterprises und International Playtex (inkl. Max Factor, Almay, Jhirmack, Danskin, Halston/Orlane) wurde vom eigenen Management übernommen. Das Mineralwassergeschäft (Arrowhead Drinking Water, Ozarka Drinking Water, Great Bear Drinking Water) kaufte 1987 Perrier und Tropicana ging 1988 in den Besitz des kanadischen Spirituosenkonzerns Seagram über. Mehrere Nonfood-Marken wurden 1987 in der E-II Holdings geparkt (Aristokraft, Aunt Nellies, Day-Timers, Culligan, Louver Drape, Martha White, Samsonite, Stiffel Lamps, Waterloo Industries) und später an American Brands verkauft.

Den Rest, der noch übrigblieb, brachte KKR 1987 in eine neue Beatrice Company ein (u.a. Beatrice Cheese Inc., Beatrice-Hunt/Wesson Inc., Swift-Eckrich Inc.). Diese Beatrice Company wurde 1990 von dem Agrar- und Nahrungsmittelkonzern ConAgra Foods übernommen. Für das internationale Geschäft von Beatrice, u.a. die 1969 gegründete Beatrice Foods Canada Ltd., gründete KKR 1987 ebenfalls eine neue Gesellschaft (Beatrice International Holdings). Beatrice International wurde kurz darauf von der TLC Group (Reginald Lewis) übernommen und in TLC Beatrice International Inc. umbenannt. Das kanadische Geschäft verkaufte TLC 1990 an den Finanzinvestor Onex. Die australischen Aktivitäten übernahm Cadbury Schweppes Australia. Nach dem Tod des TLC-Gründers Reginald Lewis 1993 wurden nach und nach auch alle anderen Aktivitäten verkauft. 1999 löste sich TLC Beatrice schließlich auf.

Seit 2007 gibt es wieder ein kleines Unternehmen mit dem alten Namen Beatrice Companies Inc. (Phoenix/Arizona) und mehreren Tochtergesellschaften (Beatrice Consumer Products Inc., Beatrice Distribution Inc., Beatrice Foods Co., Beatrice Technologies Inc.).

Beatrice Canada gehört seit 1997 zum italienischen Milchkonzern Parmalat; die Marke Beatrice wird dort weiterhin für die Vermarktung zahlreicher Milchprodukte verwendet (Frischmilch, Milchgetränke, Kondensmilch, Butter, Frischkäse, Joghurt).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:49