Markenlexikon

Allianz

Deutschland

Die Allianz Versicherungs-Aktiengesellschaft Berlin wurde 1890 von mehreren Aufsichtsratsmitgliedern der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft, dem Bankhaus Merck, Finck & Co., dem Industriellen Heinrich Lueg (Haniel & Lueg) und der Deutschen Bank gegründet. Initiatoren bei der Gründung eines Erstversicherers waren der Versicherungskaufmann Carl von Thieme (1844 – 1924), der 1890 bereits die Münchener Rückversicherung mitgegründet hatte, und der Bankier Wilhelm Peter von Finck (1848 – 1924).

Die Allianz beschäftigte sich zunächst mit Unfall- und Haftpflichversicherungen, dehnte ihr Tätigkeitsgebiet aber bald auf andere Versicherungsarten aus. 1893 entstand in London die erste Auslandsniederlassung, die anschließend auch das Geschäft in den USA aufbaute. 1889 ging die Allianz an die Berliner Börse. 1900 bot das Unternehmen erstmals in Deutschland einen Versicherungsschutz für Maschinen an, 1911 kam die Betriebsunterbrechungsversicherung hinzu, 1918 wurde die Kraftversicherungs-Aktiengesellschaft gegründet und 1922 schließlich die Allianz Lebensversicherungs-AG. Ihre ersten großen Bewährungsproben bestand die noch junge Gesellschaft nach dem Erdbeben von San Francisco (1906) und dem Untergang der Titanic (1912), als Millionensummen gezahlt werden mussten.

Infolge der Berlin-Blockade (1948/49) wurde der Hauptsitz 1949 nach München verlegt, die Lebensversicherung zog nach Stuttgart um. Der Aufstieg zur größten europäischen Versicherungsgesellschaft begann nach dem Ende des 2. Weltkriegs, als die Allianz in mehreren Ländern Niederlassungen gründete: 1959 in Frankreich, 1966 in Italien, 1974 in Großbritannien, in den Niederlanden, in Spanien, in Brasilien und 1976 in den USA. Das Bankhaus Merck, Finck & Co. zog sich von 1956 bis 1990 vollständig aus dem Unternehmen zurück, sodass die Allianz von der Münchener Rück dominiert wurde.

1985 entstand die Holdinggesellschaft Allianz AG (ab 2006 Allianz SE = Societas Europaea). In den 1980er und 1990er Jahren erwarb die Allianz zahreiche in- und ausländische Versicherungen und Finanzdienstleister, die den Konzern zeitweise zur größten Versicherungsgesellschaft der Welt aufsteigen ließen: 1986 Cornhill Insurance (Großbritannien), 1990 die Staatliche Versicherung der DDR und Hungária Biztosító, 1991 die Fireman's Fund Insurance Company (USA), 1995 das Erstversicherungsgeschäft der Schweizer Rückversicherung (Elvia Gruppe Zürich, Vereinte Versicherung München, Lloyd Adriatico Triest), 1996 die Hermes Kreditversicherungs AG, 1997/89 den französischen Versicherungskonzern Assurances Générale de France (AGF), 2001 die Dresdner Bank AG, die jedoch 2008 an die Commerzbank AG verkauft wurde, und 2006 die italienische Versicherung RAS Holding.

Ab 2001 veräußerte die Münchener Rück (Munich Re), der bereits seit 1951 eine wesentliche Beteiligung an einem weiteren Erstversicherer (Hamburg-Mannheimer Versicherungs-AG; seit 1997 ERGO Gruppe) gehörte, schrittweise ihre Allianz-Aktien. Inzwischen gehört die Allianz größtenteils institutionellen und privaten Investoren aus aller Welt. Auch die Industriebteiligungen wurden nach und nach verringert oder ganz verkauft (u.a. Beiersdorf, BMW, Continental, E.On, Fresenius, GEA, Heidelberger Druckmaschinen, Karstadt, RWE, Siemens).

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:49