Markenlexikon

Aldi

Germany

Die Brüder Karl Hans (1920 – 2014) und Theodor Paul Albrecht (1922 – 2010) begannen ihre Karriere nach dem Ende des 2. Weltkriegs in einem kleinen Krämerladen, den ihre Mutter Anna 1913 im Essener Bergarbeitervorort Schonnebeck eröffnet hatte. Auf Dauer konnten sie davon jedoch nicht leben, und so eröffneten sie im Ruhrgebiet nach und nach weitere Lebensmittelgeschäfte. 1950 besaßen sie 13 Geschäfte, 1960 waren es schon rund 300. Niedrige Preise durch ein kleines Sortiment (rund 400 Artikel, keine teuren Frischwaren), einfache Ausstattung, wenig Personal, kleine Verkaufsflächen (= geringere Miete) und minimale Werbung (Tüten, Flyer; inzwischen auch Zeitungsanzeigen) bescherten der Firma ein rasantes Wachstum. Um die gesetzlichen Grenzwerte für die Offenlegung von Geschäftsergebnissen zu umgehen, trennten die Brüder das Unternehmen 1961 in eine Nord-Gruppe (Theo Albrecht) und eine Süd-Gruppe (Karl Albrecht). Einem Gerücht zufolge soll ein Streit der Brüder über die Aufnahme von Tabakwaren und Tiefkühlkost ins Sortiment zur Trennung des Unternehmens geführt haben.

1962 verwendete Theo Albrecht bei einer neu eröffneten Filiale in Dortmund erstmals den Namen Aldi (ALbrecht + DIscount), der bald darauf auch von der Süd-Gruppe benutzt wurde. In Österreich und Slowenien tritt Aldi Süd unter dem Namen der 1968 übernommenen Handelskette Hofer auf. Die Grenze zwischen beiden Gruppen verläuft von Bocholt an der niederländischen Grenze durch das Ruhrgebiet bis ins hessische Fulda (Aldi-Äquator). Auch im Ausland besteht diese Trennung: Belgien (seit 1973), Dänemark (seit 1977), Frankreich (seit 1988), Luxemburg (seit 1990), die Niederlande (seit 1975), Polen (seit 2008), Portugal (seit 2006) und Spanien (seit 2002) kontrolliert Aldi Nord; die Läden in Australien (seit 2001), Griechenland (2007 – 2010), Großbritannien (seit 1989), Irland (seit 1998), Österreich (seit 1968), der Schweiz (seit 2005), Slowenien (seit 2005), Ungarn (seit 2006) und den USA (seit 1976) gehören Aldi Süd. Zwischen den beiden Gruppen gibt es einige Unterschiede: Die Nord-Läden (Aldi-Markt) befinden sich häufig in engen städtischen Lagen ohne Parkplätze (außer in Ostdeutschland), sie führen ein größeres Sortiment (rund 700 Artikel) sowie mehr regionale Produkte und Markenartikel. Aldi Süd hat größere und modernere Filialen, teilweise auf der »grünen Wiese«, dafür ein kleineres Warenangebot (rund 600 Artikel).

1971 geriet das Unternehmen in die Schlagzeilen, als Theo Albrecht entführt wurde und erst nach der Zahlung eines Lösegeldes in Höhe von sieben Millionen Mark wieder freikam. Der Entführer konnte gefasst werden, große Teile des Lösegeldes blieben verschwunden, doch die Werbewirksamkeit war durchschlagend. Der Erfolg der Aldi-Läden zog bald die Gründung weiterer Discountketten nach sich (1972 Tengelmann/Plus, 1973 Lidl, Rewe/Penny-Markt). 1975 eröffnete Aldi die eintausendste Filiale. Bis in die 1990er Jahre hinein galt Aldi als Billigladen für die Unterschicht; steigende Preise und ein häufig gutes Abschneiden der Aldi-Handelsmarken bei Produkttests (Stiftung Warentest) führten jedoch dazu, dass inzwischen auch wohlhabenere Kunden bei Aldi einkaufen. Im Laufe der Jahre wurde das anfangs spartanische Angebot erheblich erweitert (u.a. Blumen/Pflanzen, Computer, Obst/Gemüse, Online-Fotoservice, Pauschalreisen, Prepaid-Karten für Mobiltelefone, Textilien, Unterhaltungselektronik, Zeitungen/Zeitschriften).

Die Aldi-Gruppe befindet sich bis heute vollständig im Besitz der Familie Albrecht.

Text: Toralf Czartowski

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Letzte Änderung der Seite: 19.05.2018 | 15:49